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Wie effizient und nachhaltig ist das Internet?

Täglich nutzen wir das Internet. Weltweit sind es inzwischen mehr als zwei Milliarden Menschen. Dafür müssen Netz und Server rund um die Welt und Uhr zur Verfügung stehen.

 

Wäre das Internet ein Land, so hätte es weltweit den siebtgrößten Stromverbrauch. Allein Google verbraucht jährlich 2,26 Milliarden Kilowatt, was dem Verbrauch einer US-Großstadt mit 300.000 Bewohnern entspricht. Besonders negativ fallen die Bitcoin-Schürfwerke auf, da diese prinzipbedingt viel Rechenkraft und damit Energie benötigen. Bitcoin allein verbraucht, nach einer Schätzung der Universität von Cambridge, jährlich 143 Terawatt-Stunden, was bereits 0,6 Prozent des globalen Energieverbrauchs entspricht. Wovon 65 Prozent der Bitcoin-Schürfwerke in China sind, was bisher nicht das Pariser Klimaabkommen unterzeichnet hat und deswegen erst 2060 CO2-frei will.

 

Dabei ist es vorbildlich, dass Google bereits seit 2017 zu 100 Prozent auf erneuerbare Energie setzt. Doch erst 2030 wird Google dabei CO2-frei sein und bietet seinen Kunden CO2-freie Cloud-Dienste in manchen Regionen bereits zur Auswahl an. Ähnlich sieht es bei dem anderen Internet-Giganten Facebook aus, das bereits 100 Prozent Ökostrom nutzt. So verdoppelt sich der Energieverbrauch der Rechenzentren alle vier Jahre. Deswegen ist ein energieeffizienter Betrieb auch ein Wettbewerbsfaktor. So paradox es klingt, die Nutzung von Cloud-Diensten kann dazu beitragen den CO2-Fußabdruck zu reduzieren.

 

Mit nachhaltiger Software-Entwicklung gibt es auch eine Bestrebung bereits bei der Programmierung, vor allem auf kleineren Geräten, stärker auf den dadurch erzeugten Energieverbrauch zu achten. Es gibt auch schon Beratungsangebote, was die IT dazu beitragen kann, den Energieverbrauch zu senken.

 

Wir sind es gewohnt, Internet-Dienste kostenlos und in immer wachsender Qualität zu nutzen. Dass dafür nicht nur gewaltige Rechen- und Leitungskapazitäten, sondern auch viel Energie benötigt wird, ist vielen nicht bewusst. Hierzu kann ich das YouTube-Video “How Much Energy Does The Internet Use?“ empfehlen.

 

Die zunehmende Nutzung der Cloud und mobiler Geräte wird den Verbrauch noch beschleunigen. Deshalb prognostizieren Experten für das Jahr 2030, dass allein das Internet genauso viel Energie verbraucht, wie heute auf der ganzen Welt zusammen verbraucht wird.

 

Dieser enorme Energieverbrauch des Internets ist nicht nur ein politisches, sondern auch ein gesellschaftliches Thema. Deswegen bezeichnen einige Medien das Internet als Klimakiller, ohne sich mit Ursachen, Maßnahmen und der wachsenden Brisanz auseinander zusetzen.

 

Kein Wunder, dass Internet-Konzerne wie Google neue Rechenzentren möglichst in Ländern wie Finnland oder Island verlegen, in denen einerseits viel erneuerbare Energie vorhanden ist und andererseits ausreichend kalte Luft und Wasser für eine effiziente Kühlung. Alternativ investieren sie viel Geld in die eigene Erzeugung mit regenerativen Energien.

 

Trotz der Fortschritte der „Green IT“-Initiativen bei ressourcenschonenden Rechenzentren wird auch in Zukunft viel Energie, Geld und Know-how benötigt, um mit dem stetig wachsenden weltweiten Bedarf des Internets mithalten zu können.

 

Da die globale Wirtschaft und die Gesellschaft immer mehr vom Internet abhängig sind, müsste noch viel mehr Wert auf eine sichere und flexiblere Energieversorgung gelegt werden.

 

Gerade in der Corona-Pandemie hat sich die große Bedeutung von Cloud-Diensten gezeigt, was sich nicht nur im Internet-Verkehr sondern auch im Energieverbrauch niederschlägt.

 

Das Bundesumweltamt hat jüngst die Ergebnisse des Forschungsprojektes „Green Cloud-Computing und Empfehlungen daraus für Energie- und Ressourceneffizienz digitaler Infrastrukturen vorgestellt.

 

Insofern sind auch Initiativen wie Green Internet von Greenpeace oder die Bitkom-Studie zu „Klimaschutz durch digitale Technologien“ zu begrüßen. Hier wird über die Fortschritte der großen Internet-Konzerne hin zu einer besseren Energieeffizienz kritisch berichtet. Für viele DAX-Konzerne spielt das Thema Nachhaltigkeit spätestens seit 2017 eine noch größere Rolle. Denn spätestens dann sind sie per EU-Richtlinie verpflichtet, in einem jährlichen Nachhaltigkeitsbericht über ihr Handeln Rechenschaft abzulegen. Da gerade für die nächste Generation das Thema Nachhaltigkeit eine große Rolle spielt, ist dieses für viele Menschen ein wichtiges Kriterium bei der Wahl ihres Arbeitgebers.

 

Dies sind gute Gründe, um in der IT-Branche über eine effiziente und nachhaltige Ressourcennutzung gemeinsam nachdenken. Nur so bleibt die Cloud grün und das Wasser und der Himmel bleiben blau für eine rosa Zukunft für alle.

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Autoreninfo

Frank Pientka ist Principal Software Architekt bei Materna in Dortmund und Gründungsmitglied der iSAQB, die sich um die Zertifizierung von Software-Architekten kümmert. Er beschäftigt sich seit mehreren Jahrzehnten mit skalierbaren und flexiblen Diensten in der Cloud. Dabei setzt er sich intensiv mit innovativen Software-Themen auseinander. Darüber schreibt und referiert er über verschiedenen Kanäle.

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