Der Materna Blog – wissen was los ist

Zwei Materna-Kolleg:innen sprechen über den Graduate Award.

Superkräfte für die digitale Verwaltung – Graduate Award setzt Impulse

Die öffentliche Verwaltung ist noch nicht so weit digitalisiert wie es das Onlinezugangsgesetz fordert. In dieser Situation braucht es neue Motivation, tatkräftige Unterstützung und frische Ideen. Materna hat zum dritten Mal den Graduate Award an Hochschulabsolvierende verliehen, die einen entscheidenden Beitrag zur Digitalisierung im Public Sector leisten.

Das 2017 verabschiedete Onlinezugangsgesetz (OZG) verpflichtet den Bund, die Länder und die Gemeinden, bis Ende des Jahres 2022 insgesamt 575 Verwaltungsleistungen elektronisch über Verwaltungsportale anzubieten. Bis 2023 muss dies für die wichtigsten Leistungen sogar europaweit geschehen. Aktuell sieht es so aus, als wären diese Ziele nicht zu erreichen: Laut dem aktuellen „Monitor Digitale Verwaltung“ werden bisher 381 OZG-Leistungen aktiv bearbeitet. Davon sind 54 Einzelleistungen in mindestens einer Kommune online, 188 in der Umsetzung und 139 noch in der Planungsphase. Wir sind also noch weit entfernt von 575 flächendeckend verfügbaren Online-Services. Pandemie, Reformstau, Akzeptanz- und Usability-Probleme sind nur einige der Gründe, warum es hapert.

Umso wichtiger sind neue Impulse, die dabei unterstützen, wieder Schwung in die Digitalisierungsvorhaben zu bringen. Unter dem Motto „Deine Superkraft für die öffentliche Verwaltung“ vergibt Materna seit 2020 den Graduate Award an Studierende, die kreative Ideen entwickeln, wie die Digitalisierung der Verwaltung weiter vorangetrieben werden kann. In diesem Jahr wurden drei Nachwuchstalente ausgezeichnet, die sich in ihren Master-Arbeiten mit der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes (OZG), mit selbst verwaltenden Identitäten sowie der Wahrnehmung der Digitalisierung aus Sicht von Verwaltungsmitarbeitenden beschäftigt haben.

Superkraft Kulturwandel

Den ersten Platz gewann Deborah Nafz von der Universität für Verwaltungswissenschaften in Speyer für ihre Master-Arbeit im Studiengang Public Administration. Die Verwaltungswissenschaftlerin untersuchte den Einfluss individueller, technologischer und struktureller Faktoren auf die Einstellung von Verwaltungsmitarbeitenden gegenüber der Digitalisierung von Verwaltung am Beispiel der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz. Ihr wichtigstes Ergebnis ist, dass die Verwaltungsmitarbeitenden der Digitalisierung gegenüber grundsätzlich positiv eingestellt sind.

Digitalisierung bedeutet an vielen Stellen eben auch einen Kulturwandel. In Behörden und Unternehmen, in denen die Menschen dieser Transformation offen gegenüberstehen und die Veränderungen mittragen, sind die Erfolgsaussichten digitaler Projekte sehr hoch.

Superkraft Self Sovereign Identity

Der Zweitplatzierte Dirk Wegener studierte im Fernstudium an der Hochschule Wismar Wirtschaftsinformatik mit Schwerpunkt IT-Management und IT-Consulting. In seiner Master-Arbeit zeigt er einen neuen Ansatz auf, wie selbst bestimmte Identitäten (Self Sovereign Identity) Nutzer:innen in die Lage versetzen, ihre Identitätsdaten datenschutzkonform zu kontrollieren und nutzerfreundlich weiterzugeben.

Identifikation und Autorisierung sind Prozesse, die häufig für die Nutzung digitaler Angebote benötigt werden. Hier können Self Sovereign Identities sehr sichere Nutzer- oder Servicekonten schaffen. Mit der erhöhten Datensicherheit soll sich auch die Akzeptanz der Digitalangebote weiter erhöhen. Das Konzept der Self Sovereign Identities passt hervorragend in den Kontext der Identity Wallets, die die EU-Initiative eIDAS 2.0 als staatlich anerkannte digitale Identität fordert. Diese EU-Initiative fordert von allen europäischen Mitgliedsstaaten, ihren Bürger:innen innerhalb von zwölf Monaten eine digitale Brieftasche (Personalausweis, Führerschein, Geburtsurkunde etc.) und passende Services zur Verfügung zu stellen. Durch Identity Wallets soll die Digitalisierung von alltäglichen Prozessen vereinfacht werden – sie bieten ein großes Potenzial für die Digitalisierung von Verwaltung und Behörden.

Superkraft Mitgestaltung

Der dritte Platz ging an Taner Ünalgan von der Ruhr-Universität Bochum. Er absolvierte das Master-Studienprogramm Management und Regulierung von Arbeit, Wirtschaft und Organisation an der Fakultät für Sozialwissenschaft. In Experteninterviews mit Vertreter:innen der Städte Dortmund und Schwerte sowie des Deutschen Städte- und Gemeindebundes fand er heraus, wie das Onlinezugangsgesetz (OZG) mit seinen Anforderungen auf kommunaler Ebene rezipiert und bewertet wird und welche Auswirkungen es auf kommunale Digitalisierungsstrategien hat.

Die beiden Kommunen stehen exemplarisch für unterschiedliche Voraussetzungen bei der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes. Bei allen Unterschieden etwa hinsichtlich der Bevölkerungsstruktur und finanzieller Mittel, ging es in der Abschlussarbeit vor allem darum, worauf es bei der konkreten Herangehensweise ankommt. Diese Frage beantwortet der Sozialwissenschaftler eindeutig mit der Forderung, die Verwaltungsmitarbeitenden stärker in die Transformation einzubeziehen. In seiner Untersuchung kam heraus, dass viele digitale Projekte auf Nutzerorientierung der Bürger:innen ausgerichtet werden, aber die Verwaltungsmitarbeitenden nur punktuell einbezogen werden.

Damit wären wir wieder beim Kulturwandel. Digitalisierung bedeutet eine umfassende Transformation der gesamten Gesellschaft. Wenn nicht alle Beteiligten an einem Strang ziehen, sind die geplanten Maßnahmen zum Scheitern verurteilt.

Wie geht’s weiter?

Mit dem aktuellen Koalitionsvertrag erhält das Onlinezugangsgesetz mit seinen Forderungen einen neuen Antrieb. Wie der Blog-Beitrag unseres Kollegen Johannes Rosenboom zeigt, zieht sich die Digitalisierung darin wie ein roter Faden durch alle Themenbereiche. Er hat darüber hinaus einige Thesen zur Weiterentwicklung der OZG-Umsetzung gewagt. Wie könnte es bzw. müsste es mit der OZG-Umsetzung nach 2022 weitergehen? Den Blog-Beitrag können Sie hier lesen: Das Digitale im Koalitionsvertrag der Bundesregierung.

Statt viele punktuelle Einzelleistungen digital anzubieten, wird nun mehr auf einen flächendeckenden Nutzen und die Reichweite geschaut. Wie können die einzelnen Services technisch standardisiert umgesetzt und betrieben werden? Wo sind Lösungen nach dem Einer-für-Alle-Prinzip (EfA) sinnvoll? Die Zufriedenheit und der praktische Nutzen, aber auch der Kompetenzaufbau der Verwaltungsmitarbeitenden werden wichtiger.

Die Erkenntnisse aus den ersten Jahren der OZG-Umsetzung hat gezeigt: Es braucht weniger Denken in Haushaltsjahren, in einzelnen Leuchtturm-Projekten, in Ressortzuständigkeiten und Trennung nach Gebietskörperschaften, dafür mehr Agilität und übergreifende Zusammenarbeit.

Mit den vereinten Superkräften aus den Forschungsergebnissen wissenschaftlicher Arbeiten, Expertise aus der Praxis und flankierender Grundlagen haben wir die Chance, die Digitalisierung in der öffentlichen Verwaltung voranzutreiben. Die Abschlussarbeiten unserer diesjährigen Preisträger:innen unterstreichen, worauf es in der Praxis ankommt, welche Stolperfallen es gibt und mit welchen Zukunftsthemen wir uns auseinandersetzen müssen. Deshalb ist es uns wichtig, fachliche Ideen und Impulse für eigene innovative Lösungsansätze zu nutzen.

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