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Die große Internet-Revolution und die kleinen Dinge

Viele kleine Schritte haben dazu geführt, dass aus dem Internet, wie es vor fast 20 Jahren am CERN entwickelt wurde, heute eine Internet-Revolution geworden ist.

Als das Internet vor fast 20 Jahren am CERN entwickelt wurde, wusste noch keiner, wie sich dadurch das Leben, Lernen und Arbeiten verändern würde. Dabei hat das Web viele neue Produkte, Geschäftsmodelle, Ideen und Firmen hervorgebracht. Blockchain als das Internet der Werte und IoT als das Internet der Dinge werden bereits als Nachfolger gehandelt – sozusagen eine Internet-Revolution.

Selbst für den Friedensnobelpreis wurde das World Wide Web (WWW) 2010 bereits vorgeschlagen. Inzwischen beherrschen große Konzerne die Einfallstraßen und Tore des Internets und eine internationale Internet-Polizei fehlt noch immer. Firmen wie Amazon, Google und Facebook haben inzwischen ganze Branchen verdrängt und neue Märkte geschaffen. Sie haben dabei eine beängstigende Monopolstellung erreicht, bei der selbst Staaten machtlos scheinen.

Doch waren es nicht die großen Suchmaschinen, Social Media-Plattformen oder ihre Browser-Surfbretter, die den Umgang mit dem Internet nachhaltig verändert haben, sondern eine kleine Erweiterung: 1996 führte der Netscape Navigator das SSL-Verschlüsselungsprotokoll ein. Dabei hatte es von Anfang an einige Konstruktionsschwächen, die immer wieder auch für andere Zwecke missbraucht wurden.

Nicht erst durch die bekannte Heartbleed-Lücke wurde das SSL-Verschlüsselungsprotokoll durch den Nachfolgestandard TLS (Transport Layer Security) ersetzt. Gefördert durch Google, ist dieser inzwischen in der Version 1.3 verfügbar und wird von allen neueren Browsern und Webservern unterstützt. Trotz aller Verschwörungstheorien und Hackerangriffe ist das Netz immer sicherer geworden. Letztlich sind der gesicherte Austausch von Informationen und das damit hergestellte Vertrauen die Basis für die Geschäfte im Internet. Doch auch TLS beruht immer noch auf Verschlüsselungsverfahren aus den 70ern. Erst durch das Aushandeln und die Verwendung von öffentlichen und privaten Schlüsseln, nach dem Diffie-Hellman und dessen RSA-Erweiterung, wurden diese, für uns inzwischen selbstverständliche Dienste möglich. Auch das WWW-Protokoll http ist nur eine Erweiterung des darunterliegenden TCP/IP-Protokolls, das in den 70ern von Bob Kahn und Vinton Cerf entwickelt wurde. Inzwischen ist die Mehrzahl des Internet-Verkehrs verschlüsselt.

Ob eine http-Verbindung über TLS stattfindet, sieht man an dem vorangestellten HTTPS-Protokollnamen. Ob diese auch nach dem aktuellen Wissensstand sicher ist, zeigen oft die Browser mit einem grünen Schloss an oder blocken unsichere Verbindungen standardmäßig.

Bei Google selbst sind es sogar über 94 Prozent. Die Verwendung von standardmäßig verschlüsselten Verbindungen hat sich auch durch die einfachere Zurverfügungstellung von Zertifikaten durch „Let’s Encrypt“ stark verbreitet. Jedoch zeigt sich, dass viele Mobilgeräte hier immer häufiger dem Standard hinterherhinken, obwohl es hier am nötigsten wäre. Oft sind es im Internet die kleinen, oft verborgenen Dinge, die leicht übersehen werden, jedoch für viele Nutzer große Fortschritte bringen.

Das Internet hat nicht nur viele Väter sondern auch Großväter. Bei aller Begeisterung für Innovation und Disruption sollte nicht der Dank vergessen werden, für die vielen Riesen, auf deren Schultern diese Entwicklungen stehen und von deren Ideen wir noch heute profitieren. Deswegen stellvertretend vielen Dank für all die kleinen Innovationen und an Diffie, Hellmann, Cerf, Kahn und Berners-Lee, die diese möglich gemacht haben. Ohne euch würde unsere (Berufs-)Welt heute anders aussehen!

Weitere Beiträge zu diesem Thema:

Blog-Beitrag – “Wie offen ist das Internet?”

Blog-Beitrag – “Kettenreaktion: smarte Veträge und virtuelle Währungen mit Blockchain haben Zukunft”

Blog-Beitrag – “Digitale Disruption – was nun und warum?”

Schlagwörter: Innovation und Technologie, Menschen und Unternehmen

Autoreninfo

Frank Pientka ist Principal Software Architekt bei Materna in Dortmund und Gründungsmitglied der iSAQB, die sich um die Zertifizierung von Software-Architekten kümmert. Er beschäftigt sich seit mehreren Jahrzehnten mit skalierbaren und flexiblen Diensten in der Cloud. Dabei setzt er sich intensiv mit innovativen Software-Themen auseinander. Darüber schreibt und referiert er über verschiedenen Kanäle.

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