Martin GasiorekInnovation und Technologie

Augmented Reality für B2C und B2B – Use Cases mit Potenzial

Welche Geschäftsmodelle funktionieren schon heute gut mit Augmented Reality und was wird in Zukunft alles möglich sein? Das erfahren Sie in unserer zweiteiligen Blog-Reihe. Eine wichtige Neuerung ist die Objekt- und Raumerkennung.

Augmented Reality legt über unsere sichtbare Realität eine zusätzliche Computer-generierte Ebene. Dies unterscheidet sich ganz deutlich in den Anwendungsfällen von Virtual Reality, bei der Anwender in eine komplett andere Welt eintauchen. Augmented Reality begleitet uns schon seit einiger Zeit – insbesondere die Marketing-Welt. Neu ist allerdings die Technologie der Objekt- und Raumerkennung. Sie ermöglicht uns endlich, digitale Objekte und Informationen zentimetergenau über die reale Welt zu legen, sodass auch Anwendungsfälle in Service, Wartung und Logistik sinnvoll werden.

Als Privatanwender können Sie mit Augmented Reality zum Beispiel digitale Objekte in Ihrem Wohnzimmer ausprobieren, virtuell Brillen aufsetzen oder ganz einfach den Raum vermessen. Als Business-Anwender können Sie mit AR beispielsweise sperrige Produkte virtuell in Lebensgröße bei Ihren Kunden präsentieren, ohne dass Kunden wirklich dabei sein müssen.

Im ersten Teil unserer Reihe zeigen wir auf, welche Entwicklungen den Einsatz von Augmented Reality bei Endanwendern vorantreiben.

E-Commerce, Real Commerce und Marketing

Mithilfe von Augmented Reality können Anwender Produkte virtuell ausprobieren oder reale Objekte zum „Kaufen“ finden. Diesen Schritt ist das Möbelhaus Ikea bereits im Jahr 2017 mit seiner App Ikea Place gegangen. In Version 1.0 konnten Kunden damit Ikea-Möbel virtuell zu Hause ausprobieren. Sie konnten sie zumindest ansehen; sitzen kann man auf den virtuellen 3D-Objekten noch nicht. Die Besonderheit liegt darin, dass keine zusätzlichen Hilfsmittel benötigt werden – außer das Smartphone selbst. Damit war erstmals das wichtigste Kriterium für die Verbreitung von Augmented Reality im Consumer-Bereich erfüllt: der Kunde benötigt nur sein Smartphone.

Inzwischen können Anwender mit Augmented Reality auch reale Objekte erkennen, was einen direkten Draht zum Online-Handel herstellt. Mit der Objekterkennung wird Augmented Reality somit zum Shazam der Möbelsuche. Einfach Kamera draufhalten und sehen, welches Billy-Regal vor einem steht. Die Trefferquote liegt bei 90 Prozent.

Eine weitere Entwicklung sind smarte Spiegel, die bald oder schon jetzt in den Future-Stores von Esprit, Zara und Co. getestet werden. Amazon ist hierbei gleich mit zwei Technologien im Rennen: Zum einen der Echo Show  und zum anderen einem smarten Spiegel , der unter anderem Lichtverhältnisse simulieren kann, sodass der Kunde seine Kleidung stets unter unterschiedlichen Bedingungen testen kann. Dahinter stecken vor allem ausgereiftere Kameratechnologien, die die Tiefe des Raumes besser erkennen können – ähnlich dem TrueDepth Kamerasystem des iPhone X. Smarte Spiegel sind im Grunde nicht neu, wie im Jahr 2014 bereits Shiseido mit dem Augmented Reality Schminktisch und L’Oreal mit der App „Make Up Genius“ gezeigt haben. Hier ist zwischen machbar und für jeden nutzbar zu unterscheiden – zwischen einer netten Spielerei oder einer ernstzunehmenden Anwendung, die bestenfalls täglich genutzt wird. Wir erwarten, dass sich das Retail-Erlebnis in wenigen Jahren entscheidend verändern wird.

Vor allem Kosmetikunternehmen werden Augmented Reality in Facebook, Instagram und anderen Plattformen nutzen, um Produkte zu verkaufen. Facebook bietet bereits die Möglichkeit an, Augmented Reality Werbung zu schalten und dies direkt mit einem Checkout zu verbinden. So könnten Hersteller beispielsweise ihre Sonnenbrillen bewerben: Kunden probieren die Brille virtuell aus und kaufen sie, ohne sie jemals wirklich getragen zu haben.

Navigation

Augmented Reality unterstützt die ortsbezogene Darstellung von virtuellen Objekten in der realen Welt, zum Beispiel im Auto. Dies ist ein Anwendungsfall, der sehr wahrscheinlich bestehende Navigationsgeräte erweitern wird und den Fahrer dabei unterstützt, die richtige Ausfahrt anzusteuern. Interessant wird es dann, wenn kurz vor dem Ziel die Anzahl freier Parkplätze in den jeweiligen Seitenstraßen angezeigt werden und Sie Ihr Auto schneller abstellen können.

Spiele und Entertainment

Mit Augmented Reality lassen sich 3D-Spielprinzipien in die reale Welt übertragen. Spätestens Pokemon Go hat die Potenziale für Augmented Reality in der Spielewelt klar gemacht. Bei der Entwicklung und Konzeption solcher Anwendungen sollten sich Unternehmen fragen, ob es wirklich notwendig ist, Augmented Reality in das Spiel zu integrieren. Viele Spiele sind eine sogenannte “Lay-Back-Experience”. Das bedeutet, dass Nutzer sie in einer entspannten Haltung nutzen und dadurch im Umkehrschluss keine Lust haben, die Körperhaltung für ein Augmented Reality Feature zu ändern. Die Candy Crush Generation wird sich wohl nur schwer von der Couch bewegen. Oder was glauben Sie?

Point of Information (POI) Infos

Augmented Reality verbessert digitale Post-Its und Informationen an Orten von Interesse, wie beispielsweise Sehenswürdigkeiten und Museen. Spätestens seit der Veröffentlichung der Microsoft HoloLens und des Apple ARKit 2.0 existiert technisch die Möglichkeit, Räume wiederzuerkennen. Was können Sie jetzt mit dieser Information machen? Die Möglichkeiten sind nahezu grenzenlos. Wer ganz klein anfangen will, veröffentlicht digitale Post-Its an Kühlschränken oder Rezessionen auf virtuellen Pinnwänden in Restaurants. Ein weiteres Beispiel sind Städtetouren, die sich damit zu jeder Zeit und in jeder Sprache anbieten lassen. Damit haben Anwender den passenden Guide immer dabei – egal ob in einer historischen Stadt oder in einem Museum.

Ein anderer Anwendungsfall wird sehr wahrscheinlich den Werbemarkt extrem aufrütteln: Noch sind Unternehmen wie Ströer, 7Screen, Wall & Co die Herren über die Out-of-Home-Außenwerbung. Was geschieht aber, wenn Unternehmen wie Apple, Google und Facebook die reale Welt mit digitalen Infos überlagern können? Dann sieht jeder seine persönliche Außenwerbung. Das wäre wahrscheinlich das Ende der schon fast legendären Ritter Sport Werbetafeln an deutschen Bahnhöfen. Das ist eine Vorstellung, die sicher noch einige Zeit auf sich warten lässt – aber durchaus real werden kann.

Im zweiten Teil stellen wir Ihnen Use Cases aus dem B2B-Bereich vor. Darüber hinaus werden wir in weiteren Blog-Beiträgen das Potenzial für einzelne Branchen genauer beleuchten.

 

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