Frank PientkaInnovation und Technologie

Wie Open Source die Welt verändert – 25 Jahre Linux

Am 18. September war der Software Freedom Day und gleichzeitig erschien vor 25 Jahren der Linux Kernel 0.01. Das ist eine gute Gelegenheit, einmal auf die Anfänge der Open Source-Welt zurückzublicken.

Es war Ende des Sommersemesters 1991, als ein Kommilitone mir freudestrahlend mit drei Disketten aus dem Uni-Rechenzentrum entgegenkam. Begeistert erzählte er mir, dass darauf ein Unix für seinen Intel-i386-PC war. Um ehrlich zu sein, war der vom finnischen Student Linus Torvalds geschrieben Code nur ein Treiber für die damals verwendeten AT-Bus-Festplatten.

Zu einem „echten“ Unix benötigte man das in akademischen Kreisen beliebte Minix, den GCC-Kompiler und die Bash. Dennoch war der Anfang zu einer der größten Erfolgsgeschichten der Open Source Software gemacht.

Später gab es auf der Minix-Mailing-Liste noch viele Diskussionen, wie die zwischen dem Entwickler von Minix, Professor Andrew S. Tannenbaum, und Linus Torvalds – beispielsweise ob ein Micro- oder ein Macro-Kernel der bessere Designansatz wäre. Ein anderer Streit entbrannte zwischen Linus Torvalds und Programmierer Richard Stallman, der schon zuvor mit der Entwicklung von GNU („GNU’s not Unix“) als freiem Unix-Ersatz begonnen und dazu auch die von Linus verwendete GPL-Lizenz und den GCC-Kompiler entwickelt hatte. In ihrem Streit ging es darum, ob man mit Open Source auch Geld verdienen darf oder auch proprietäre Erweiterungen verwenden kann.

Der Microkernel des GNU-Projektes – genannt Hurd – ist bis heute nicht fertig. Linux hingegen erfreut sich immer noch wachsender Beliebtheit und sprüht vor Innovationsfreude. Gerade die in der GPL enthaltene Copyleft-Klausel führte dazu, dass der damalige Microsoft Chef, Steve Balmer, Open Source-Software als Krebsgeschwür bezeichnete. Doch auch in diesem Punkt musste er sich, wie viele damalige Kritiker später, eines Besseren belehren lassen. Im universitären Umfeld entstanden die ersten Linux-Distributionen, die zunächst Disketten, später CD oder DVDs verschickten und der Gedanke, dass man mit Open Source auch Geld verdienen kann.

Das Internet bringt Dynamik

Eine neue Dynamik bekam Open Source mit dem parallel aufkommenden Internet. So war es einfacher möglich, die inzwischen weltweite Entwicklung und Verteilung der Software zu koordinieren. Mit dem Netscape-Browser und dem Apache Web-Server zog Open Source-Software ganz heimlich über die Hintertür in Unternehmen ein. Den Ritterschlag in den Unternehmen erlangte Open Source als große Hersteller, beispielsweise IBM, Open Source als Basis für ihre eigene Software verwendeten und sogar Support dafür anboten.

Das führte letztlich zu einem bunten Strauß von Open Source-Lizenzen und der Gründung von Stiftungen. Gerade die Stiftungen, wie die GNU, Linux, Eclipse oder Apache Foundation, schafften den organisatorischen, rechtlichen und finanziellen Rahmen, damit Open Source sich vom Hobby-Projekt einiger Freizeitentwickler zu einer Bewegung mit professionellen Produkten und Diensten entwickeln konnte.

War Linux auf Datenbank- und Web-Servern inzwischen die am meiste verbreitete Plattform, so hat es mit dem Desktop immer noch Schwierigkeiten. Da Linux schon recht früh auch andere Prozessoren als Intel unterstützte, wurde es gerade im embedded Bereich immer beliebter. Die echte „Welteroberung“ gelang Linux allerdings erst ab dem Jahr 2008, als Google sein kostenloses Smartphone-Betriebssystem Android mit Linux-Kernel vorstellte. Inzwischen hat Linux im Einsatz, der einen Router oder ein anderes Smart-Gerät zu Hause nutzt. Der für Schulungszwecke entwickelte Raspberry Pi-Rechner ist inzwischen der zweitmeist verkaufte Computer und auch darauf läuft Linux.

Open Source beeinflusst die Wirtschaft

„Software is eating the world“ hat der frühere Netscape-Entwickler Marc Andreesen dieses Phänomen bezeichnet, dass Software – und die basiert heute zumeist auf Open Source – unser gesamtes Leben und Wirtschaften beeinflusst.

Die neuen Geschäftsmodelle, die um Open Source entstanden sind, hat Eric S. Raymond in seinen Essays „Die Kathedrale und der Basar“ und „Der verzauberte Kessel“ recht anschaulich und treffend beschrieben.

Die Vielfalt der inzwischen entstandenen Linux-Distributionen und Open Source-Projekte ist kaum mehr zu überschauen. Immer weniger Geld wird heute über die reinen Software-Lizenzen verdient, sondern eher mit der Nutzung und dem Service.

Gerade deswegen ist ein professioneller Umgang mit Lizenzen und Schwachstellen in Software-Produkten unabdingbar. Firmen sollten sich deswegen nicht nur an der Nutzung, sondern auch mehr an der Weiterentwicklung und Verbesserung von Open Source-Software beteiligen. Ebenso sollten sie intern einen Open Source-Governance-Prozess und eigene interne Software-Repositories aufsetzen, um die korrekte Verwendung der Lizenzen zu gewährleisten und auch bekannte Schwachstellen frühzeitig zu beseitigen.

Open Source ist aus der heutigen Software-Entwicklung nicht mehr wegzudenken. Was ursprünglich als Traum von wenigen Idealisten begonnen hat, hat die Art, Software zu entwickeln, grundlegend geändert. Für die Herausforderungen durch Zukunftsthemen wie Cloud, Smart oder Internet of Things ist Open Source ideal geeignet. Gerade seine schnelle Innovationsfreudigkeit, aber auch hohe Qualität, macht es bei geringen Initialkosten ein für die gesamte Wirtschaft wichtiges und wertvolles Gut.

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