Britta RichterDie digitale Welt

WeChat – das (chinesische) Leben in einer App

WeChat bietet für beinahe alle Herausforderungen und Anforderungen des Alltags eine Lösung. Ein Leben in China ohne WeChat ist praktisch undenkbar.

Facebook, WhatsApp, Snapchat, WeChat. WeChat?! Was die ersten drei Dienste können, kann WeChat schon lange. Reine Messenger-Services wie Chats oder Anrufe sind nur ein kleiner Teil des WeChat-Universums, das über 800 Millionen Mitglieder weltweit, vor allem in China, nutzen.

2011 veröffentlichte Tencent, ein chinesischer Internet-Konzern, die App. Spätestens mit Einführung der Bezahlfunktion im Jahr 2013 spielt WeChat eine Hauptrolle in der Organisation des Alltags der vorwiegend chinesischen Nutzer. Ob Kinotickets kaufen, Stromrechnung bezahlen, die Restaurantrechnung teilen oder ein Hotelzimmer reservieren – mit WeChat lassen sich fast alle Dinge des Alltags kaufen oder organisieren. Abgewickelt werden die Geschäfte über den eigenen Zahlungsdienstleister Tenpay.

Auch Geld an andere WeChat-Nutzer zu überweisen ist eine Selbstverständlichkeit. So hat auch die alte Tradition „Hang Bao“, Geldgeschenke zu chinesischen Festen wie dem Chinesischen Neujahrsfest oder der chinesischen Hochzeit in roten Umschlägen zu überreichen, ein digitales Äquivalent in WeChat gefunden.

Dienste, von denen die in der westlichen Hemisphäre verbreiteten Messenger-Dienste wie WhatsApp Facebook-Messenger noch weit entfernt sind. Und auch soziale Kontaktmöglichkeiten, die wir von Facebook kennen, übersetzt WeChat in einfache, spielerische Funktionen. Mit der Schüttelfunktion zeigt das Smartphone an, wer in unmittelbarer Nähe an neuen Kontakten interessiert ist, per „Flaschenpostfunktion“ wird per Zufallsgenerator eine Kontaktanfrage an Unbekannt verschickt. Wer direkt seine Kontaktdaten austauschen möchte, kann das einfach per QR-Code tun, den jeder Nutzer besitzt.

Mobile First in China

Zirka 620 Millionen Chinesen surfen mobil; viele der 688 Millionen Chinesen, die online sind, besitzen oder besaßen nie einen stationären Desktop-Rechner. Smartphone und Tablet waren für die meisten der erste Zugang zum Internet. Das Mobile First-Prinzip wird daher deutlich stärker als in Europa gelebt und ist eine Selbstverständlichkeit. Zudem kommt, dass anders als beispielsweise in Deutschland, eine SMS zu versenden, deutlich teurer ist. Ein Messenger wird daher als billige und leistungsfähige Alternative betrachtet, die nicht in Konkurrenz zur SMS steht – weder aus Kosten- noch aus Gewohnheitsgründen.

Die Welt in einer App

WeChat hat es geschafft, viele kleine Apps und Anwendungen abzulösen, zwischen denen Nutzer hin und her springen musste, um Dinge, welcher Art auch immer, zu erledigen. WeChat ist ein „Universum“, in dem Alltagsprobleme gelöst werden können und immer wieder neue, unterhaltsame und attraktive (Nutzungs-)Angebote unterbreitet werden. Natürlich wird der Effekt dadurch verstärkt, dass die meisten uns bekannten Dienste und Plattformen durch die strenge Internet-Regulierung in China nicht oder nur schwer aufrufbar und somit keine echten Alternativen verfügbar sind. Dennoch stecken die bei uns stark verbreiteten Messenger wie WhatsApp oder der Facebook-Messenger mit Diensten außerhalb von Kommunikationsmöglichkeiten noch in den Kinderschuhen.

Apropos Kinderschuhe: Tencent denkt auch an die nächste Generation der Internet-Nutzer und hat ein Stofftier herausgebracht, mit dem schon Kinder im Vorschulalter WeChat nutzen und Sprachnachrichten verschicken und empfangen können.

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