Frank PientkaInnovation und Technologie

Shop-Systeme auf dem Markt!

Der Handel im Internet hat ganze Branchen und viele Prozesse verändert. Wie wirken sich diese Veränderungen jedoch auf die dabei verwendeten Shop-Produkte aus? Hier hängt viel von der Größe des Shops sowie hinsichtlich der Anzahl und Art der angebotenen Produkte ab. Nicht nur bei den kommerziellen Produkten sondern auch bei den Open Source-Produkten hat sich die Spreu vom Weizen getrennt. Die Anzahl der im Markt angebotenen Shop-Systeme hat sich stark reduziert. Viele ehemals unabhängige Anbieter, wie ATG, Intershop, Hybris und Magento, wurden von größeren Anbietern geschluckt.

Der Fokus hat sich von der Backend-Integration hin zu interaktiven Benutzeroberflächen mit mächtigen Suchmöglichkeiten verschoben.

Digital Commerce wird von kleinen und mittleren Händlern entweder als Zusatzkanal betrieben oder, um einen Nischenmarkt zu besetzen, und ohne viel Aufwand eine große Reichweite („long tail“) zu erzielen. Hierfür werden meist fertige anpassbare und extern gehostete Systeme verwendet.

Neben osCommerce, PrestaShop, Drupal Commerce, Shopware, Oxid und KonaKart ist Magento eines der am meisten verbreiteten Shop-Systeme. Da Magento unter der Open Source-Lizenz angeboten wird und auf dem LAMP-Stack (Linux, Apache http, mySQL, PHP) basiert, wird es von vielen Hostern kostenlos angeboten. Es ist sowohl für B2C- als auch für B2B-Web-Seiten geeignet.

Um mit dem wachsenden Bedarf mitzuhalten, soll dieses Jahr Magento 2 erscheinen, was eine neue modulare Architektur hat. Außerdem werden mobile Apps und responsive Seiten besser unterstützt, um auf die zunehmende Nutzung durch mobile Geräte gerüstet zu sein. eBay möchte sich nicht nur von PayPal sondern auch von eBay Enterprise Teilen trennen, obwohl diese im Gegensatz zum schrumpfenden eBay-Kerngeschäft profitabel sind. Dies hat große Auswirkungen auf den E-Commerce-Markt, da zu eBay nicht nur Magento sondern auch Intershop gehören und auch PayPal von vielen Systemen unterstützt wird.

Da die meisten freien Shop-Systeme auf PHP5 basieren, ist es spannend, wie die Unterstützung in der Nachfolgeversion PHP7 aussieht. Mit Facebooks HHVM steht hier eine Alternative zu der bisher verwendeten Zend-Ablaufumgebung zur Verfügung. Einige wie Oxid werden in Zukunft auf das PHP-Komponenten-Framework Symfony setzen. Doch auch die Zukunft der Oxid-Nachfolgeversion ist fraglich, da der Chefarchitekt inzwischen die Firma verlassen hat.

Das könnte eine Chance für den französischen Newcomer PrestaShop sein, der erst 2007 gestartet ist. PrestaShop ist mit einer modernen und modularen Shop-Version bereits in mehreren Ländern und Sprachen, auch als kostenlose gehostete Lösung, verfügbar. Im Jahr 2015 sollen weitere Märkte erschlossen werden. Um Rechtssicherheit in Deutschland zu haben, müssen jedoch die älteren Module germaNext und GC German noch für die aktuelle Version angepasst werden.

Gerade das Hosting und die Bereitstellung eines Shops als SaaS (Software-as-a-Service)-Lösung senkt nicht nur die Einstiegshürde, sondern bietet auch eine einfache Möglichkeit bei überschaubaren Preisen, sicher auf wachsenden Bedarf reagieren zu können. Das Magento eigene Angebot Magento Go wurde zwar eingestellt. Es gibt jedoch ein großes Spektrum an weiteren Hostern. Alternativ kann man auch fertige Images für Docker, VMware, Amazon EC2, Microsoft Azure oder Google Cloud Platform bei Bitnami herunterladen.

Dann muss man sich jedoch selbst um die Aktualisierung kümmern. Um mit den wachsenden und sich schnell ändernden Anforderungen mithalten zu können, werden durch die Cloud immer mehr alternative Hosting-Modelle wichtiger.

Die Systeme haben sich von reinen Plattformen und Baukästen für die Integration- und Weiterentwicklung zu kompletten und erweiterbaren Suiten gewandelt. Dies spiegelt sich in den neuesten Reports von Gartner und Forrester wieder. So spielen Usability, Unterstützung von mobilen Geräten, SEO und mächtige Volltextsuche mit Produktempfehlungen eine immer größere Rolle. Da mobile und soziale Funktionen für E-Commerce immer wichtiger werden, verwendet man dafür einen neuen Begriff. Statt E-Commerce spricht man dann entweder von Digital Commerce (Gartner) oder von Digital Experience Delivery Platforms (Forrester).

Die eine Standardlösung gibt es bei Shop-Systemen nach wie vor nicht. Dadurch dass die führenden Produkte immer mächtiger werden, bieten sie ernsthafte Altnativen zum Ein- und Umstieg. Für viele Produkte wird 2015 zum Schicksalsjahr, da sich dann zeigen wird, ob bisherige Kunden auf die Nachfolgeprodukte umsteigen werden oder doch zum Konkurrenzprodukt und dann gleich in der Cloud wechseln werden.

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