Frank PientkaInnovation und Technologie

Schnittstellen als zweischneidiges Schwert

Schnittstellen finden sich überall in unserem Alltag und vereinfachen unser Leben. Sie verbinden Systeme mit ihrer Umgebung, sie verbinden bislang getrennte Systeme oder sie verbinden Teilsysteme untereinander.

Doch an was denken wir, wenn wir das Wort Schnittstelle hören? Viele denken bei dem Wort Schnittstelle an Probleme.

Der Großbrand in Baltimore ging nicht nur wegen der damaligen Rekordsachschadenssummer von 150 Millionen Dollar in die Geschichtsbücher der Rückversicherer ein, sondern führte auch vor Augen, welche dramatischen Konsequenzen inkompatible Schnittstellen haben können. Obwohl Feuerwehren aus vielen benachbarten Städten, wie Philadelphia, Washington D.C., New York City, Virginia, Wilmington und Atlantic City zur Hilfe kamen, konnten sie nur wenig zur Brandbekämpfung beitragen. Ihre Schlauch- und Pumpanlagen waren untereinander und zu den Hydranten in Baltimore nicht passend. Als eine Konsequenz wurden in ganz Amerika alle Hydranten-Anschlüsse standardisiert.

Ein ähnlicher Grund führte 1926 zur Gründung des „Deutschen Normenausschuss“, heute als DIN bekannt. Er standardisierte zunächst Fertigungs- (wie Schrauben und Gewinde) und Installationsmaterialen (Lampenfassungen, Stecker, Sicherungen) und beschleunigte damit die Industrialisierung, minimierte die Kosten und erhöhte die Qualität.

Selbst bei modernsten Geräten, wie Smartphones oder Beamern, führen die vielen Stecker- und Buchsenvarianten immer wieder zu unangenehmen Situationen. Wer viel unterwegs ist, reist daher oft mit einer größeren Auswahl an Adaptern, um stets das Passende parat zu haben.

Die Schnittstellenprobleme, die es bei der Verbindung von Hardware gibt, nehmen sogar noch zu, wenn Software mit unterschiedlichen Treibern und Protokollversionen benötigt wird. Standards sind hier sicher eine große Hilfe. Doch helfen diese nur bedingt weiter, wenn ihre Umsetzung zu viel Spielraum lässt bzw. deren Umsetzung einfach zu komplex wird. So sind die Hauptbremser und Kostentreiber für das Internet der Dinge und Cloud-Projekte heute immer noch die Integration der vielen unterschiedlichen Schnittstellen sowie der Vielzahl von Protokollen und Formaten.

Schnittstellen wollen das Leben einfacher machen und den Austausch erleichtern. Doch noch sind sie ein zweischneidiges Schwert: sie können das Leben vereinfachen, aber auch neue Probleme aufwerfen.

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