Frank PientkaDie digitale Welt

Kommt es doch auf die „richtige IT“ an?

Als Nicholas G. Carr vor 13 Jahren seinen Artikel mit der Überschrift „IT Doesn’t Matter“ veröffentlichte, war die Aufregung groß. Letztendlich warf er als Wirtschaftsjournalist der IT und ihren Leitern vor, dass sie zu viele Kosten mit zu wenig wirtschaftlichem Nutzen erzeugen. Ganz zu schweigen vom Beitrag der klassischen IT für die Innovationskraft des Unternehmens. Nur kannte er den Begriff digitale Transformation damals noch nicht.

Durch den Erfolg von Firmen, wie Google, Apple, Amazon oder Facebook mit einem auf dem Internet basierendem Geschäftsmodell, hat sich der Druck auf die Unternehmensführung unter dem Stichwort digitale Transformation noch mehr erhöht. Hinzu kommt, dass durch die Verfügbarkeit günstiger Software und Ressourcen in der Cloud die Einstiegshürde erheblich gesenkt wurde. Es müssen nicht erst große Budgets beantragt und umfangreiche Projektpläne erstellt werden, sondern man kann mit kleinen Schritten schnell und kostengünstig neue Geschäftsfelder erschließen oder Services anbieten. Gleichzeitig wird das Wachstum durch elastische und skalierbare Ressourcen ermöglich, ohne durch in festen Kosten gebundene Gelder blockiert zu sein. Die Budgets werden bereits weg von Betriebsausgaben (Opex) hin zu Investitionsausgaben (CapEx) verlagert. Die flexiblen und auf die dynamischen Bedürfnisse zugeschnittenen Abrechnungsmodelle vieler Cloud-Angebote sind hier besser geeignet als starre interne Umlage- oder Verrechnungssätze.

Die einzige Ressource, die jedoch nach wie vor limitiert ist, ist das Wissen und die weiterhin benötigen Fachkräfte. Reine Systemadministratoren, wird es immer weniger geben – Ingenieure und Architekten, die es verstehen, das Potenzial der Cloud zu nutzen jedoch umso mehr. Gerade alte Informatik-Disziplinen, wie künstliche Intelligenz, Robotik, kognitive System oder verteilte und autonome Systeme erleben gerade eine ungeahnte Renaissance. Inzwischen spricht man nicht mehr nur von Big Data, sondern kann über Fast Data-Technologien sehr große Datenmengen fast in Realzeit auswerten und aus den Ergebnissen wichtige Entscheidungen ableiten.

Es ist paradox. Themen wie Arbeit und Industrie 4.0 haben bereits die Diskussion in der Politik und an IT-Stammtischen erreicht. Für viele Firmen und damit die gesamte Wirtschaft ist IT zwar geschäftskritisch, jedoch von wenig strategischer und sicherheitstechnischer Relevanz. Doch Hackerangriffe auf IT-Infrastrukturen zeigen bereits wie real verwundbar unsere so wohl digitalisierte Welt geworden ist. „Smart, aber clever“ gilt leider auch für die kriminellen Kräfte! Insgesamt ist die IoT-Security auf dem Niveau von PCs der 90er-Jahre, als das Web noch in den Kinderschuhen steckte. Da viele Hersteller eher aus dem Consumer-Markt mit sehr preissensitiven Produkten kommen und es sich nicht um Software-Firmen handelt, ist für viele leider das Internet mit seinen Gefahren immer noch Neuland. Deswegen werden bekannte kryptographische Verfahren und Sicherheitsstandards sträflich vernachlässigt – mit verehrenden Folgen.

„IT still matters – more than ever“.

IT und ihre Ressourcen sind, entgegen der immer wiederkehrenden Kassandra-Rufe, zum entscheidenden Faktor für neue und zu transformierende Geschäftsmodelle geworden. Das hat natürlich enorme Auswirkungen auf unseren Alltag und betrifft alle Bereiche unseres Lebens. Deswegen ist es gut, wenn alle Beteiligten sich möglichst schnell auf die neuen Herausforderungen in und mit der IT einstellen!

Lesen Sie dazu auch meine Blog-Beiträge zum Thema digitale Transformation und zur Studie digitale Transformation.

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