Frank PientkaInnovation und Technologie

Industrie 4.0: kleine Bits und Bytes in großen Maschinen

Die Welt verändert sich rapide. Durch die digitale Transformation werden Daten zum neuen Rohstoff. Intelligente und vernetzte Geräte bestimmen unseren Alltag und erbringen smarte Dienste.

Bereits im Jahr 1988 prägte der amerikanische Wissenschaftler Mark Weiser durch seine Arbeiten am PARC Forschungszentrum von Xerox den Begriff des Ubiquitous Computing. In einem Aufsatz beschrieb er, wie das Leben in einem Smart Home mit Tablets aussehen könnte. „Im 21. Jahrhundert wird die technologische Revolution das Alltägliche, Kleine und Unsichtbare sein“, schrieb Weiser. Das war noch lange bevor Internet und Smartphones zum festen Teil unseres Lebens und Arbeitens wurden.

Elf Jahre später verwendete der britische Technologie-Pionier Kevin Ashton den Begriff „Internet der Dinge“. Damit beschrieb der Erfinder immer intelligenter und kleiner werdende Computer, die den Menschen im Alltag unterstützen. Damals stand die Vernetzung von RFID-Geräten im Vordergrund.

Im „Hype Cycle for Emerging Technologies 2015“, eine Art Technologievorschau der Marktforscher von Gartner, hat das Internet der Dinge inzwischen Big Data überholt. Interessant ist, dass das Internet der Dinge in diesem Hype-Zyklus auf vorangehende Technologien wie Big Data, Cloud Computing und Maschine-to-Maschine (M2M)-Kommunikation aufsetzt.

Es geht um die Vernetzung

Im Internet der Dinge liefern Sensoren vielfältige Informationen und fördern smarte Entscheidungen. Es erlaubt Menschen und Geräten, von überall und zu jeder Zeit auf alle angeschlossenen Produkte zuzugreifen und Informationen miteinander zu vernetzen. Nach den Anfangsbuchstaben der englischen Wörter „Anytime, Anyplace, Anything and Anyone, using Any path/network and Any service“ und „Convergence, Content, Collections, Computing, Communication, and Connectivity“, wird hier von den sechs A- und C-Merkmalen des Internets der Dinge gesprochen.

Vom Internet der Computer zum Internet der Dinge

Ähnlich wie bei der Industrialisierung – von der Mechanik über die Elektronik zu Computern – gibt es auch im Internet der Dinge bei den schlauen und vernetzten Geräten verschiedene Stufen. Diese gehen von den Connected Cars, Connected Homes und Connected Cities bis zu einer automatisierten Internet-Industrie. Über autonome Autos und Wearables wird gern in den Medien berichtet. Doch ist das wirtschaftliche Potenzial bei den „großen Dingen“ wie Städten, Gesundheitsmanagement und Industrieanlagen noch viel höher.

Doch gibt es für einen Ausbau des Internets der Dinge noch einige Hürden zu überwinden. Dazu gehören vor allem Aspekte der Sicherheit, Integration, Speicherung und Verarbeitung von großen und unterschiedlichen Datenmengen. Es gibt zwar mit Cloud und Big Data schon einige gute Grundlagen, allerdings stecken die anwendungsbezogenen Protokolle und Formate noch in den Kinderschuhen.

„Ohne die Skalierbarkeit der Cloud wäre das Internet der Dinge weiterhin ein Theoriegebilde, das sich noch nicht realisieren lässt“, sagt Werner Vogels, Chief Technology Officer von Amazon. Marktforscher wie Gartner sehen zwar das große Potenzial, erwarten jedoch auch, dass vielen Anbietern noch das Tal der Tränen bevorsteht. Erst nach dem Durchschreiten, so die Analysten, lassen sich mit marktreifen Produkten in drei bis vier Jahren produktive Lösungen erstellen.

Jetzt ist also ein guter Zeitpunkt für Manager zu handeln und erste Pilotprojekte rund um das Internet der Dinge zu starten.

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