Frank PientkaInnovation und Technologie

Immer noch viel Gedränge im Projekt-Management!

Inzwischen haben wir uns an agile Vorgehensweisen in der Software-Entwicklung gewöhnt. Dabei ist diese Art der Software-Entwicklung erst 20 Jahre alt.

1995 veröffentlichte Ken Schwaber auf der OOPSLA-Konferenz  den ersten Artikel „SCRUM Software Development Process“ über Scrum (bedeutet im Rugby-Sport Gedränge). Damals noch GROSSGESCHRIEBEN.

Besondere Aufmerksamkeit erlangte Scrum im Jahre 2001. Neben dem Buch „Agile Software Development with Scrum“ von Ken Schwaber und Mike Beedle erschien auch das agile Manifest. Das Manifest beschreibt die Werte und Prinzipien agiler Software-Entwicklung. Unter den 17 Erstunterzeichnern finden sich auch die beiden Hauptväter von Scrum, Ken Schwaber und Jeff Sutherland.

Ein Jahr später gründete Ken Schwaber mit anderen zusammen die Scrum Alliance, um die Schulung und Zertifizierung der beiden Scrum-Rollen Master und Product Owner voranzutreiben. Aus Streit über die Weiterentwicklung von Scrum verließ Jeff Sutherland bereits wieder die Scrum Alliance, um 2006 seine eigene Firma Scrum.inc für Scrum-Schulungen zu gründen. Drei Jahre später folgte ihm Ken Schwaber mit der Gründung von Scrum.org, um Scrum jenseits des Zertifizierungsgeschäftes weiterzuentwickeln und dessen Qualität auch in Zukunft sicherzustellen.

Als gemeinsame Anstrengung wurden im Jahre 2010 durch Ken Schwaber und Jeff Sutherland das zentrale Wissen und Prinzipien von Scrum im „Scrum Guide” zusammengefasst. Dieser wurde in den Jahren 2011 und 2013 an die aktuellen Bedürfnisse und Erkenntnisse angepasst und in über 30 Sprachen übersetzt. Um die Unabhängigkeit von Scrum zu dokumentieren, wurde die Scrum-Anleitung im September 2014, kurz vor dem 20-ten Jubiläum von Scrum, auf einer unabhängigen Seite allgemein verfügbar gemacht.

Im Rahmen der agilen Bewegung sind parallelen zu Scrum viele andere Initiativen entstanden, wie zum Beispiel Extreme Programming (XP), Lean Software Development, Kanban oder Software Craftsmanship. Viele dieser Initiativen haben die Software-Entwicklung um weitere Methoden bereichert. Doch keine hat wie Scrum den Sprung aus den Entwicklerbüros in die Etagen des Projekt-Managements so überzeugend und dauerhaft geschafft. Inzwischen wird Scrum nicht nur in Software-Projekten sondern auch in vielen anderen Gebieten eingesetzt, bei denen Anforderungen noch nicht so klar sind, jedoch in regelmäßigen Abständen Ergebnisse geliefert werden sollen.

Dabei sollen die Erkenntnisse durch diese Ergebnisse recht früh und kontinuierlich in die Entwicklung einfließen. Damit trotz allem immer Transparenz und eine gewisse Planungssicherheit für die nächste Iteration, genannt Sprint, besteht, wurden in Scrum wenige einfache Methoden, Rollen und Werkzeuge beschrieben. Der Focus wurde stärker als in anderen Vorgehensmodellen auf die Teamkommunikation und -kooperation gelegt. Dabei steht weniger die Software als solches, sondern das damit realisierte Produkt im Vordergrund. Selbst wenn die Väter von Scrum irgendwann in Rente gehen sollten, ist zu hoffen, dass deren Enkel das Erbe weiterhin wertschätzen und im Projektgedränge nicht den Überblick verlieren.

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