Frank PientkaInnovation und Technologie

Große Oberflächlichkeit – drei einfache Regeln?

Die Zeiten grau-weißer oder grün-schwarzer Terminal-Oberflächen gehören zu den Erfahrungen des vergangenen Jahrtausends. Gerade da sich im Bereich Usability in den vergangenen Jahren viel getan hat, ist es gar nicht so einfach, auf dem Laufenden zu bleiben.

Viele Bedienkonzepte, die mit einer Desktop-Oberfläche und bei der Bedienung mit der Maus üblich waren, lassen sich nicht auf Touch-Oberflächen mit Gestensteuerung übertragen. Da selbst die führenden Betriebssystemhersteller Apple und Google für ihre mobilen Oberflächen unterschiedliche Konzepte verwenden, muss sich nicht nur der Benutzer erst noch an die neuen Konzepte gewöhnen. Abbau von Barrieren kann eben auch bedeuten, dass sowohl die ältere als auch jüngere Generation eher mit einer Touch-Oberfläche zu Recht kommt, da hier ein unmittelbares Feedback ohne zusätzliche Geräte bei der Bedienung der Abwendung möglich ist. Dadurch dass die Bildschirmgrößen bei mobilen Geräten immer mehr zunehmen, können Anwendungen mit immer mehr Funktionen angeboten werden. Dabei sollte man jedoch nicht wieder in die Featuritis-Krankheit zurück fallen, wie bei manchen Desktop-Anwendungen. Bei mobilen Anwendungen folgt die Design-Form der kontextabhängig zur Verfügung gestellten Funktion.

Yahoo-Chefin Marissa Mayer hat drei einfache intuitive Regeln für gutes Oberflächen-Design und Bedienbarkeit aufgestellt.

Trotz großer „Oberflächlichkeit“ bleiben innere Qualitätswerte einer Anwendung, wie Wartbarkeit, Robustheit und Skalierbarkeit, trotz gestiegenen Anforderungen an die Oberflächengestaltung wichtig.

  • Die zweimal-tippen-Regel soll bewirken, dass der Benutzer nach zwei Aktionen bereits das gewünschte Ergebnis erzielt und sich nicht in zu vielen Menü- und Navigationsebenen verliert. Diese wurde z. B. in der Yahoo Flickr App umgesetzt.
  • Nach der 5-Punkte-Regel erhält jede unterschiedliche Schrift, Schriftgröße oder Farben einer App einen Punkt, der aufsummiert wird. Sobald hier mehr als fünf Punkte erreicht werden, sollte über ein Re-Design nachgedacht werden. Diese wurde z. B. auf der Yahoo Homepage umgesetzt.
  • Die 98-Prozent-Regel besagt, dass ein Produkt für die Hauptfunktionen eine optimale Benutzbarkeit bieten muss, wohingegen die zwei Prozent der Spezialfälle ruhig etwas umständlicher gehen dürfen.

Größere Bildschirme werden sich immer mehr durchsetzen. Dies sollte beim Design ebenfalls bedacht werden. Die sogenannten Phablets werden die Art und Weise ändern, wie wir unsere Handys bedienen und dementsprechend muss auch die Bedienung von Apps angepasst werden. Die Handhabung könnte sich an die von Tablets annähern, was die App-Entwicklung vereinfachen würde.

Trotz größerer Screens ist das Platzangebot für Informationen und Funktionalitäten in Apps begrenzt. Funktionalitäten erscheinen erst, wenn sie benötigt werden, und geben den Blick wieder frei, wenn sie nicht genutzt werden.

Halten Sie es einfach und übersichtlich. Reduzieren Sie Navigation und Tiefe der Navigation, um Ihre App benutzerfreundlicher zu machen. Die Konsistenz der Oberfläche ist wichtig. Weniger ist bekanntlich oft mehr.

Elemente und Farben für Signalisierungen in einer App sollten einheitlich verwendet werden. Bei der Farbgebung sollen die Farbstufen eingehalten werden. Bei Abstufungen von dunkel bis hell sollte der wichtigste Button dunkel sein. Die Farbe Rot sollte mit Vorsicht genutzt werden, da diese nur für wichtige Fehlerbenachrichtigungen verwendet wird. Bei Farben sollten auch kulturelle Unterschiede berücksichtigt werden, wenn die App in verschiedenen Kulturkreis eingesetzt werden soll.

Ebenso sollten bei den Text-Stilen Wert auf Einheitlichkeit und gute Lesbarkeit gelegt werden. Bei Mehrsprachigkeit kann sowohl die Länge der Texte als auch bei der Ausrichtung für die Leserichtung eine Herausforderung für eine gute und einheitliche Bedienbarkeit darstellen.