Frank PientkaInnovation und Technologie

Gewitter in der Wolke – Warum Public Cloud keine Einbahnstraße sein muss

Bei klassischen IT-Infrastrukturen liegt die Auslastung im Jahresmittel bei ca. 25 Prozent. Die Einführung von Virtualisierung konnte diesen Wert zwar erhöhen, er liegt jedoch noch immer weit unter 50 Prozent. Cloud Computing-Anbieter können die Auslastung der Infrastruktur noch einmal erhöhen und erreichen knapp 100 Prozent.

Ein großer Vorteil von Cloud-Infrastrukturen ist die Möglichkeit, die genutzten Ressourcen nahezu dynamisch und ohne großen Aufwand zu erweitern. Sowohl zum Start als auch bei der weiteren Nutzung fallen keine fixen Investitionskosten an, sondern nur dynamische Verbrauchskosten. Der klassische IT-Infrastrukturansatz hat zur Folge, dass eine Erweiterung der Ressourcen entsprechende Aufwände mit sich bringt. Beim Cloud Computing können die Ressourcen innerhalb kurzer Zeit erweitert werden, um beispielsweise Spitzen abzudecken.

Inzwischen gibt es Cloud-Infrastrukturen in den unterschiedlichsten Ausprägungen und Geschmacksrichtungen. Mit Amazon, Microsoft und Google haben sich drei große Anbieter die Pole-Position gesichert, von der sie sich nicht nur wegen ihrer Größe nur schwer verdrängen lassen werden. Diese Anbieter sind in ihrem Kern-Geschäftsmodell ganz unterschiedlicher. Amazon kommt als elektronisches Warenhaus daher, das seine überschüssigen Ressourcen auch anderen anbietet. Google hat als Internet-Pionier erst später seine Ressourcen auch anderen zur kommerziellen Nutzung geöffnet. Microsoft als Software-Haus setzt beim Betrieb seiner Rechenzentren auch auf Partner und Hardware von der Stange. Hier steht vor allem die Nutzung der Windows- und Office-Produkte zur Abrundung des Ökosystems im Vordergrund. Fehlt als vierter im Bunde nur noch Apple mit seiner iCloud. Doch nutzt Apple hier vor allem die Infrastruktur seiner drei Mitbewerber.

Ähnlich sieht es bei so erfolgreichen Firmen wie DropBox und Netflix aus. Diese haben betreiben bislang kaum eigene Rechenzentren – im Gegensatz zu Facebook. Sie nutzen die Skalenvorteile der Amazon Web Services (AWS). Bei DropBox hat bereits ein erstes Umdenken eingesetzt. In einem monatelangen Projekt hat das Unternehmen die meisten seiner Dateien im Petabyte-Bereich von Amazon ins eigene Rechenzentrum umgezogen. Gerade bei dieser großen Datenmenge lohnt es sich für DropBox, inzwischen seine eigene Cloud zu betreiben.

Selbst der führende Music-Streaming-Anbieter Spotify, der von Anfang an erfolgreich seinen eigenen Weg gegangen ist, will demnächst die Google Cloud nutzen. Die Cloud muss also keine Einbahnstraße sein. Die Karten werden gerade neu gemischt. Selbst Spätstarter, wie Oracle oder IBM, haben noch eine Chance, da sie besonders im Bereich Software as a Service punkten können, wenn auch die Frage ist, für welchen Preis. Hier hat sicher Google die besten Karten. Das Unternehmen hat nicht nur den höchsten Marktwert, sondern ist auch hoch profitabel. Google’s aktuelle Haupteinnahmequelle ist Werbung und der Handel mit den Kundendaten. Dies soll bis 2020 durch die Einnahmen aus dem Cloud-Geschäft übertroffen werden. Selbst so etablierte Spezialanbieter, wie Akamai mit seinem Content Delivery Network (CDN), müssen sich preislich gegenüber dem Google CDN in Zukunft anstrengen.

Im Spinnennetz der Cloud gibt es immer wieder überraschende Allianzen und Wendungen. Für weitere Spannung in und um die Wolke ist gesorgt.

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