Frank PientkaInnovation und Technologie

Freiheit für Daten – zwischen Öffentlichkeit und Privatheit

In Behörden lagern gewaltige Datenschätze. Die Verfechter von „Open Data“, wie der Internet-Pionier Tim Berners-Lee, fordern, die von Bürgern finanzierte Datensammlung wieder für die Öffentlichkeit frei und kostenlos zur Verfügung zu stellen. Mit dem World Wide Web steht dafür seit den 90er-Jahren eine flächenweite Infrastruktur bereit, um große Datenmengen einfach und kostengünstig zur Verfügung zu stellen.

Einige Staaten, darunter die USA und Großbritannien, aber auch die EU, haben schon vor zehn Jahren einen Nutzen darin gesehen, ihre Daten zu öffnen und damit eine Grundlage für mehr Transparenz und Beteiligung zu schaffen. Als besonders interessant scheinen hier Daten aus den Bereichen Geodaten, Statistiken, amtliche Statistiken und Verkehrsinformationen.

So beziffert die EU-Kommission im Entwurf der neuen PSI-Richtlinie das ökonomische Potenzial der Daten und Informationen öffentlicher Stellen in der europäischen Union auf jährlich 40 Milliarden Euro. Dadurch könnten mit Open Data das Wirtschaftswachstum gefördert und damit viele zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden. McKinsey ist sogar noch optimistischer: In einer Studie schätzt die Unternehmensberatung, dass durch Open Data weltweit pro Jahr drei Billionen Dollar zusätzliches Wirtschaftswachstum möglich wären.

Neben Initiativen wie Open Government Partnership, Open Data Network oder Open Knowledge Foundation Deutschland sind vor allem Anwendungen wie die Bibliothek von GovData, OpenStreetmap oder Wikipedia bekannt, die Daten öffentlich an einer Stelle verfügbar machen. Mit der vom Chaos Computer Club erstellten Open-Data-Plattform DocPatch ist es zum Beispiel möglich, die Entwicklung des Grundgesetzes in Graphiken und Texten nachzuvollziehen.

Trotz Google und Co. reicht es nicht, wenn jede Kommune alleine ihre Daten veröffentlicht. Open Data braucht neben einheitlichen Rahmenbedingungen auch offene Standards und eine freie Lizenzierung.

Oft treten die mit Steuergeldern gesammelten Daten bei einer kostenlosen Nutzung durch die Bürger in Konkurrenz zu kommerziellen Angeboten, so dass diese nur noch über Zusatzdienste profilieren können. Neben rechtlichen Bedenken und hohen Sicherheitsanforderungen fehlt in den öffentlichen – vor allem den kommunalen – Verwaltungen vor allem eines: nämlich Geld. Insofern könnte eine kommerzielle Nutzung von öffentlichen Daten im großen Stil auch mit einem entsprechenden Nutzungsentgelt belegt werden, um das Angebot weiter ausbauen zu können.

Selbst ein Jahrzehnt nach der Veröffentlichung der EU-Richtlinie für „Public Sector Information (PSI)“ ist in Deutschland zwar mit GovData.de (dem Datenportal für Deutschland des Bundesministerium des Innern für Bund, Länder und Gemeinden) vereinzelt etwas passiert, jedoch hinken die Ergebnisse anderen vergleichbaren Ländern hinterher. Doch nur fünf Städte (Bonn, Köln, Münster, Wuppertal und Moers) wurden dieses Jahr in Nordrhein-Westfalen mit nennenswerten Open-Data-Angeboten identifiziert.

Gemeinsam mit der Hochschule Harz hat Materna bereits im vorletzten Jahr 72 Bundes- und Landesbehörden sowie Kommunen dazu befragt. Insgesamt überwogen die positiven Tendenzen: Vor allem bestehende Angebote, beispielsweise in den Bereichen geografische Informationssysteme (GIS), Finanzen und Haushalt sowie Statistik, wollten die befragten Verwaltungen weiter ausbauen. Die Studie ist kostenfrei zu beziehen.

Materna ist inzwischen mit dem GeoPortal des Bundesamtes für Kartographie und Geodäsie (auch http://www.geodatenzentrum.de) und dem Wetterportal des Deutschen Wetterdienstes und dem Mobilitäts Daten Marktplatz an einigen bedeutenden Open Data-Plattformen beteiligt. Weitere Informationen zu unseren Open Data-Lösungen finden Sie bei Materna im Web.

Unstrittig ist, dass von Open Data wirtschaftliche Vorteile erzielt und bessere neue Dienste erstellt werden können. Da nächstes Jahr sowohl die Open-Data Charta der G8-Staaten als auch die Public Sector Information (PSI) Richtlinie 2013/37 der EU in Kraft treten, darf man gespannt sein, welche Daten bis dahin verfügbar gemacht wurden und mit welchen Diensten diese nutzbar gemacht werden. Frei nach dem Motto des ehemaligen Bundeskanzlers Willy Brandt gilt deswegen: Hier mehr Freiheit für öffentliche Daten und damit mehr Transparenz wagen!

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