Frank PientkaDie digitale Welt

E-Mail forever?

Am 3. August 1984 kam der erste elektronische Brief in Deutschland über das CSNET aus den USA in Karlsruhe an. Das waren 13 Jahre nach der ersten erfolgreichen E-Mail über das ARPANET, dem Urvater des Internets.

Schon damals konnten die USA jede E-Mail mitlesen, da es sich bei einer E-Mail eher um eine Postkarte handelte, als um einen in einem „sicheren Umschlag“ verschlossenen Brief. War der erste Kontakt mit E-Mail für die meisten früher auf die Hochschulen und lokalen Netze beschränkt, haben heute die meisten Menschen kostenlose E-Mail-Adressen bei den großen Providern.

Die Anzahl der aktuell versendeten E-Mails wird täglich auf rund 201,4 Milliarden geschätzt. Allein 90 Prozent am gesamten Mail-Verkehr macht dabei der Anteil der unverlangt zugesandten E-Mails wie Spam aus. Es ist ein wenig so wie bei einer Party, zu der wir zunächst nur Bekannte eingeladen haben. Dann hat es sich jedoch soweit rumgesprochen, dass inzwischen immer mehr ungebetene Gäste aus der ganzen Welt an unsere E-Mail-Tür klopfen und um Einlass bitten. Die Geister, die einmal gerufen wurden, wird man so schnell nicht wieder los. Ganz wird sich Spam vermutlich nicht verhindern lassen.

Nach aktuellen Statistiken des Branchenverbands BITKOM nutzen 78 Prozent der Deutschen die E-Mail. Das bedeutet jedoch auch, dass gut ein Fünftel der Deutschen nicht über E-Mail kommunizieren. Gerade im privaten Bereich und bei jüngeren Leuten nimmt die regelmäßige E-Mail-Nutzung ab. Dafür werden mehr soziale Medien wie Facebook, Twitter oder WhatsApp genutzt. Wann hier die erste Nachricht über soziale Medien in Deutschland angekommen ist, wird immer im Dunkeln bleiben, da deren Begriff im Gegensatz zu E-Mail nicht standardisiert ist.

Die E-Mail ist eine schnelle, günstige und einfache Kommunikationsmöglichkeit. Doch werden die Folgekosten oft unterschätzt. Zunächst war die E-Mail nur für einfache Textnachrichten im ASCII-Format gedacht und nie für eine effiziente Gruppenkommunikation. Heute werden E-Mails manchmal als Dokumentanablage oder Workflow-Systeme missbraucht. Einige Firmen versuchen, die interne Anzahl der E-Mails durch den Einsatz von Kollaborationsplattformen zu reduzieren oder sogar möglichst zu eliminieren. Dabei ist es hilfreich, eine gewisse Netiquette an Kommunikationsdisziplin einzuhalten.

Ein Ende der E-Mail-Flut ist jedoch noch nicht absehbar. Insofern müssen wir alle lernen, damit zu leben und zu arbeiten, um nicht im Informationsstrom zu ertrinken.

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