Guido WeilandInnovation und Technologie

Digitales Kontobuch und Technologie-Revoluzzer

Blockchain gilt als die neue große Technologie-Revolution. Trotzdem kann nur ein gutes Drittel der Mittelständler etwas mit dem Begriff Blockchain anfangen. Das kam bei Untersuchungen des Marktforschungs- und Beratungsinstituts YouGov heraus.

Kurz zusammengefasst kann man sagen: Aufgabe einer Blockchain ist, das sichere Übertragen von Eigentum an physischen oder digitalen Assets zu sichern. Im Grunde ist eine Blockchain also nichts anderes als ein digitales Kontobuch – international sagt man Ledger. Wie jedes Kontobuch protokolliert die Blockchain Transaktionen von Werten. Jeder Teilnehmer einer Transaktion erhält bei Abschluss eine verschlüsselte Kopie des Kontobuchs. Darüber hinaus – und hier liegt das innovative Potenzial der Technologie – können in der jeweiligen Software zur Blockchain spezifische Regeln hinterlegt werden. Beispielsweise könnte eine Car-Sharing-Plattform die Regel hinterlegen, dass der Teilnehmer bei Fahrtantritt im Besitz einer gültigen Fahrerlaubnis sein muss.

Die Blockchain-Technologie ist noch verhältnismäßig jung. 2009 wurde mit Bitcoin erstmalig eine Blockchain veröffentlicht. Auch steht die Umsetzung in konkrete Geschäftsprozesse noch am Anfang. Doch wer jetzt mit der neuen Technologie arbeitet, erschließt sich damit das Potenzial, sowohl bestehende Prozesse neu zu erfinden und effizienter zu gestalten, als auch komplett neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Zum Einstieg empfiehlt es sich, erst einmal ganz alltägliche Anwendungen zu identifizieren, die sich mit dieser Technologie optimieren lassen. Das können etwa ein einfacher Stammdaten- oder Referenzdatenbankenabgleich sein.

Ein weiteres generisches Anwendungsgebiet ist der Eigentums- oder Besitznachweis: Ist der Teilnehmer tatsächlich der Besitzer des Hauses, des Bitcoins oder des Lagerplatzes, die Gegenstand der Transaktion sind? Die Blockchain liefert die Antwort während der Transaktion in Echtzeit. Ähnlich verhält es sich beim Herkunftsnachweis. Auch hier gibt die Blockchain anhand der Transaktionshistorie ad hoc Auskunft darüber, ob die Herkunftsangabe für eine bestimmte Ware echt ist. Das Startup Everledger etwa bietet die Möglichkeit, Diamanten und andere wertvolle Gegenstände in einer Blockchain fälschungssicher zu registrieren. Auf die gleiche Weise lässt sich auch sicherstellen, dass Qualitätsversprechen, die mit Kennzeichnungen wie „Made in Germany“ oder Markennamen verknüpft sind, nicht Produktpiraterie zum Opfer fallen. Jedes der genannten Szenarien lässt sich darüber hinaus mit einer weiteren Anwendung kombinieren: mit der automatisierten Prüfung der Gültigkeit einer Transaktion und ihrer Ausführung oder dem Abbruch.

Auch wenn Blockchain für viele noch ferne Zukunftsmusik scheint – in fünf bis zehn Jahren wird es eine Mainstream-Technologie sein. Höchste Zeit also, sich jetzt bereits damit zu befassen, an welchen Punkten man als Unternehmen von Blockchain profitieren kann.

Mehr zu Blockchain erfahren Sie in unserem Experten-Interview im Video mit Prof. Dr. Jens Böcker und in der aktuellen Ausgabe unseres Magazins Materna Monitor. Die Ergebnisse unsere Studie in Kooperation mit der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg erhalten Sie hier: www.materna.de/Blockchain-Studie.

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