Frank PientkaInnovation und Technologie

Digitale Disruption – Was nun und warum?

Es gibt nur wenige Firmen, die nicht als innovativ gelten wollen. Sich mit dem Potenzial von Innovationen zu beschäftigen, ist zwar ein Anfang, doch sich selbst in Innovationsprozesse einzubringen, ist etwas anderes. Auch hier gilt das Sprichwort: „Du kannst selbst nur so viel Veränderung sein, wie du bereit bist, Dich selbst zu verändern.“ Doch genau das wollen nur wenige! Denn Veränderung in einem unübersichtlichen Umfeld heißt, öfters aufstehen, als hinfallen. Gerade viele deutsche Firmen sind gut und auch innovativ in der Weiterentwicklung und Optimierung ihrer Kernprodukte und Kompetenzen.

Von einer disruptiven Technologie spricht man, wenn diese das Potenzial hat, bestehende Technologien und damit die darauf basierenden Geschäftsmodelle fast vollständig zu verdrängen. Im diesem Umfeld hat man oft mit neuen, noch nicht gekannten Konkurrenten und Herausforderungen zu tun. Das macht das Ganze sehr spannend, ist leider aber auch riskant.

Das Dilemma, in dem sich frühe Innovatoren befinden und wie sich solche Innovationen auswirken können, hat der Harvard Professor Clayton Christensen bereits 1997 in einem gleichnamigen Artikel beschrieben.

Das Ganze geschieht nicht über Nacht. Aber die Erschütterungen, die von disruptiven Innovationen ausgelöst werden, sind schon vorher für einige Wachsame bemerkbar. Ähnlich wie bei einem Gewitter oder Erdbeben gibt es Kennzeichen, die solche Ereignisse ankündigen. Nur diejenigen, die daraus die richtigen Schlüsse ziehen, kommen noch mal glimpflich davon.

Gerade werden Big Data, Blockchain oder auch der Cloud so eine marktverändernde Macht in der IT zugeschrieben, gleiches gilt für die Elektromobilität oder smarte Geräte. Hier ist eine Experimentier- und Fehlerkultur im eigenen Hause ein guter Nährboden, um erste Erfahrungen mit solchen Technologien mit Innovationspotenzial zu sammeln und damit bestehende Risiken und Ängste abzubauen.

Oft wiederholt sich die Geschichte. Als die ersten Autos aufkamen, wurden die Kutschen verdrängt. Als das Internet sich außerhalb der Universitäten in der Wirtschaft und mit den Smartphones in der Gesellschaft verbreitete, waren nicht nur der Einzelhandel und die Medienindustrie in ihrer Existenz bedroht. Die Umwälzungen, die die Kohle- und Stahlindustrie getroffen haben, steht jetzt der Finanz- und Fertigungsindustrie bevor.

Oft entstehen Innovationen per Zufall und werden meist erst im Nachhinein als solche erkannt. Dann ist es für viele „Spätzünder“ meistens schon zu spät, um den Vorsprung der frühen Pioniere einzuholen.

„Wie das Neue in die Welt kommt“, beschreibt der MIT-Professor Claus Otto Scharmer in seiner Theorie U. Diese ist heute für viele Organisationen und Gruppen, die vor großen Veränderungen stehen, interessant. Teil der Theorie U ist ein dreistufiger Öffnungsprozess, in dem wir unsere „blinden Flecken“, unsere inneren Feinde und Ängste in der Wahrnehmung, überwinden können. Der zentralere Gedanke dabei: Wie sich eine Situation entwickelt, hängt davon ab, wie man an sie herangeht. Das U der Theorie U beginnt mit der Öffnung des Denkens, über die Öffnung des Herzens und führt hin zu einer Öffnung des Willens. Ein wesentlicher Schritt dabei ist, alte Denkschemata und -Muster nicht reflexartig auf neue Gegebenheiten anzuwenden.

Von Albert Einstein stammt der Spruch „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“ Gerade Experten stehen vor der Gefahr, nur schwer alte Bahnen und Denkgewohnheiten zu verlassen und so Gelegenheiten zu verpassen, Dinge neu und anders zu denken. Die von Otto Scharmer entwickelte Design Thinking Methode ist nicht nur eine Kreativitätsmethode, um neue Ideen zu generieren, sondern in einem mehrstufigen Veränderungsprozess zur Lösung kreativ anzustoßen. Viele Projekte und Unternehmen sind bereits mit solchen Workshops gestartet. Doch erst, wenn Innovation sich beim Kunden und Markt bewährt, können langfristig neue Geschäftsmodelle darauf aufgebaut werden. Da hierbei oft IT eine besondere Rolle spielt, verändert sich auch die Art, wie wir Software entwickeln und betreiben, rasant.

Bei aller Technikverliebtheit wird oft vergessen, was wirklich ein revolutionärer Quantensprung und was einfach nur eine kleine Verbesserung ist. Auch wenn die IT, wie kaum eine andere Branche, außer vielleicht Frauenmode, immer wieder auf der Suche nach dem nächsten „heißen Scheiß“ ist, gibt es auch Anzeichen, dass die IT und ihre Geschäftsmodelle selbst vor großen Umwälzungen stehen. Das Ende der PC- und Server-Ära ist gerade in seinen letzten Zügen. Nur das Internet selbst hat immer noch ein riesiges Innovationspotenzial, was mit as-a-Services-Angeboten und der Nutzung durch mobile smarte Geräte noch gar nicht ausgeschöpft ist. Es bleibt spannend und nicht nur, um viel über Innovation und Disruption durch die Digitalisierung zu schreiben, sondern vor allem um sie anzupacken!

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