Frank PientkaInnovation und Technologie

Die Plattform-Revolution und API-Ökonomie

Für den Erfolg vieler heute auf dem Internet basierender Geschäftsmodelle ist nicht so sehr die grafische Oberfläche oder die dahinterliegende Technik entscheidend, vielmehr die veröffentlichten Programmierschnittstellen und die dadurch nutzbaren Prozesse.

Für bestehende E-Commerce-Geschäftsmodelle reicht es nicht aus, diese um einen responsiven Web-Shop und eine App zu ergänzen, um die Chancen der Digitalisierung zu nutzen und sich gegen disruptiven Wettbewerb zu schützen. Es geht nicht (mehr) allein darum, neue eigene Produkte zu entwickeln oder zu optimieren, sondern Transaktionen zwischen den beteiligten Partnern zu organisieren und ihre Wertschöpfung zu erhöhen. Digitale Plattformen sind wichtige Wachstums- und Innovationstreiber.

Nicht nur die sozialen Plattformen, sondern auch viele E-Commerce-Angebote leben davon, dass sie stabile und nutzbare Schnittstellen für andere anbieten, um dadurch ihre Reichweite und den Nutzen der Plattform zu erhöhen. Oft sind dadurch ganz neue Märkte entstanden. Da es für solche Plattformen keine fertigen Produkte gibt, müssen diese von vornherein für Erweiterungen und externe Nutzung gebaut werden. Dabei gibt es einiges zu beachten, da Plattformen sich grundlegend von klassischen Software-Projekten mit einem definierten Anfang und Ende oder einem fertigen Software-Produkt unterscheiden. Plattformen sind eher mit Organsimen vergleichbar, die nie fertig sind, sondern sich lebendig weiterentwickeln. Man hat dafür den Begriff des evolutionären Software Designs geprägt. Auch das API-Management bekommt eine neue Bedeutung und beinhaltet Richtlinien für das API Design, Lifecycle und Release Management, Security, Dokumentation, Architektur und Entwicklung. Neu kommt das Partner und Ecosystem Management hinzu, was wiederum ein gutes API Design, Lifecycle und Release Management und Dokumentation erfordert.

Die Dreier-Regel für eine externe API besagt, dass man mindestens drei Nutzer braucht, damit sich der Aufwand für eine Wiederverwendung lohnt. Denn bei der Entwicklung selbst, aber auch beim Test und bei der Pflege entsteht ein dreifach höherer Aufwand als bei Schnittstellen, die nur ein Ziel realisieren. Wie eine Architektur einer solchen Plattform aussehen kann, haben bereits Baldwin und Woodard im Jahr 2008 in einem Harvard Business School Papier beschrieben.

Doch auch von betriebswirtschaftlicher und strategischer Seite spielt die Plattform-Revolution und API-Ökonomie eine immer bedeutendere Rolle. Denn je früher und größer eine Plattform wird, umso attraktiver wird sie für Nutzer und Anbieter. Deswegen breiten sich auch Apple, Facebook und Amazon (auch als GAFA-Ökonomie genannt) immer stärker, wie eine große Spinne im „Internetz“, aus.

Diese Auswirkungen wurden bereits im Jahr 2015 in einer Studie des MIT SLOAN Management Review „Thriving in an Increasingly Digital Eco System Case Study” beschrieben, auch wenn sie erst jetzt mit ihren Folgen sichtbar werden. Wie neue Plattform-Geschäftsmodelle von Airbnb, Uber, Paypal und Co. die Wirtschaft verändern und welche Methoden und Strategien sich für Unternehmen und Start-ups anbieten, beschreiben von Choudary, Van Alstyne und Parker in ihrem sehr lesenswerten Buch „Die Plattform Revolution“.  

Das Goldene Zeitalter der Plattformökonomie hat gerade erst begonnen. Auch wenn bisher vor allem amerikanische Firmen diesen Markt dominieren, bietet es für deutsche Start-ups und die Industrie eine große Chance, im globalen Wettbewerb mitzuhalten. Oft ist nicht der Erste der Erfolgreiche, aber auch hier gilt, wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Oder wie die Pop-Gruppe ABBA schon sang „der Gewinner nimmt sich alles“. Trotz allem sollte man nicht blauäugig an neue Plattformen oder Portale herangehen, sich seine Partner gut auswählen und vor allem beim System von vornherein die Nutzung durch Dritte einplanen.

Schlagwörter: ,