Frank PientkaDie digitale Welt

Die Kraft der Vielen – Crowdsourcing kann in die Sackgasse führen

Bereits im Jahre 1879 fordert James Murray die englischsprachigen Bürger zur Mitarbeit am späteren Oxford English Dictionary auf. Noch vor Wikipedia und ohne Internet war dies das erste Crowdsourcing-Projekt.

Wikipedia ist eine der großen Erfolgsgeschichten des Internets. Sie gilt inzwischen als Synonym für das Online-Wissen und hat viele klassische Lexika verdrängt. Mit 1.694.219 Artikeln ist das deutsche Wikipedia das drittgrößte nach der englischen (4,4 Millionen Artikel) und niederländischen (1,7 Millionen Artikel) Version. (Statistik 1, Statistik 2).

Usprünglich im Jahr 2001 angetreten, um „die Summe allen menschlichen Wissens zusammenzutragen“, steigt die Anzahl der Nutzer (Wiki will’s wissen) weiterhin, jedoch sinkt die Anzahl der Redakteure seit 2007 stetig.

Das ist nicht nur ein Generationen- sondern auch ein Organisationsproblem. Grundsätzlich kann jeder „Wikipedianer“ Artikel ändern und löschen. Doch nicht alle sind gleich, und so ist die Zahl der „Administratoren“, die das Recht hatten, Artikel zu löschen oder Redakteure vorübergehend zu sperren, über die Jahre gleich geblieben. Hier gibt es wenig Nachwuchs bzw. die Bereitschaft mitzumachen und auch kein Gremium, dass diese Macht kontrolliert. Das Wikipedia-Land scheint zwar nicht auszusterben, jedoch stark zu vergreisen, was neuen Inhalten nicht gut tut.

Hier schließt sich der Kreis zum Oxford English Dictionary. Die Fertigstellung des Oxford-Wörterbuchs dauerte damals noch 70 Jahre. Dafür wurde eine bis dahin nicht gekannte Aktualität und Qualität erreicht. Durch das Internet und seine Kollaborationsplattformen gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, die Massen am Entstehungs- oder Entscheidungsprozessen zu beteiligen. Das reicht von Diskussionsforen über soziale Medien bis hin zur „flüssigen Demokratie“. Es gibt sogar Plattformen, die weltweit Tests gegen kleines Geld anbieten, um so ein Produkt frühzeitig durch reale Menschen überprüfen zu lassen.

Der erfolgreiche Crowdsourcing-Ansatz von Wikipedia, steckt nicht nur finanziell, sondern auch bei Mitmach-Ressourcen aktuell in einer Sackgasse. Deswegen ist Crowdsourcing sicher nicht für alle Probleme geeignet. Nur dadurch, dass sich viele beteiligen, muss dies nicht bedeuten, dass hier „mehr Intelligenz“ beteiligt ist und automatisch bessere und schnellere Ergebnisse entstehen.

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