Kai-Uwe WinterInnovation und Technologie

Die IT-Fabrik aus vier Blickwinkeln

Die IT-Abteilung ist im Wandel und transformiert sich in eine vollautomatisierte IT-Fabrik. In der Praxis haben Anwender, IT, Betrieb und Management jedoch ganz unterschiedliche Vorstellungen davon, wie der Weg dorthin verläuft und was genau die Ziele sind. Wie sich die Anforderungen dieser vier Gruppen unterscheiden, aber auch ergänzen, haben wir hier einmal zusammengefasst.

 

  1. Das erwartet der Anwender von der IT-Fabrik!

In der Vorstellung des Endanwenders bietet ihm die IT-Fabrik ein klar definiertes Serviceangebot. Hierzu rufen die Nutzer die benötigten Leistungen einfach über ein Portal ab, das ähnlich wie ein Onlineshop aufgebaut ist. Hier lassen sich standardisierte IT-Services auswählen und über Optionen auf individuelle Bedürfnisse anpassen und konfigurieren. Zum Auffinden der Services reicht eine einfache Suchzeile, ähnlich wie wir sie von Google oder Amazon kennen. Die Ergebnisliste zeigt dann übersichtlich die passenden Services. Technische Abhängigkeiten werden automatisiert kontrolliert und Unstimmigkeiten korrigiert.

Die Services sind hierbei als vollständige Servicepakete definiert. Denn der Anwender kann und will gar nicht beurteilen, aus welchen Komponenten sich ein Service zusammensetzt und wer diese zuliefert. Ein Pkw-Konfigurator liefert ja auch keine Information darüber, ob der Hersteller das Getriebe zukauft oder selbst entwickelt.

Nach Bestätigung der Auswahl muss beispielsweise der Vorgesetzte die Bestellung autorisieren – zum Beispiel per E-Mail oder direkt über das Smartphone. Ist alles genehmigt, freut sich der Anwender, dass sein Service schnellstmöglich geliefert wird. Reichen die gelieferten Software-Komponenten nicht aus, bestellt der Anwender einfach zusätzliche Leistungen im Katalogportal.

Dass all das hochautomatisiert abläuft, bemerkt der Anwender nur indirekt an der kurzen Zeit der Servicebereitstellung.

 

  1. Warum die IT-Organisation auf die IT-Fabrik setzt!

Ganz andere Vorstellungen hat die IT-Abteilung: Sie erwartet von der IT-Fabrik eine Erleichterung rund um ihr IT-Portfolio-Management. Hier werden die Kataloginhalte verwaltet und die Service-Angebote erstellt. Die Idee dabei: die Portfolio-Experten können aus vordefinierten Servicebausteinen auswählen und so Leistungen zu einem Paket zusammensetzen. Auch Service-Elemente von externen Anbietern lassen sich einfach in das eigene Serviceangebot einbeziehen. Dies können einfache IT-Komponenten sein, wie Rechenleistung, Server, Datenbanken oder andere Middleware als Infrastructure oder Plattform as a Service. Denkbar sind aber auch vollständige Applikationen und Software-Suiten, die als Software as a Service aus der Cloud bezogen werden sollen. Die IT sollte einen grafisch zusammengestellten Service mit wenigen Klicks neu im Service-Katalog ergänzen können. Auch die Genehmigungsoptionen kann der Portfoliomanager einfach hinzu oder abwählen, sodass er für jedes Angebot die richtigen Verantwortlichen in die Pflicht nehmen kann.

 

  1. So nutzt der IT-Betrieb die IT-Fabrik!

Auch die operative IT, also der IT-Betrieb, hat klare Anforderungen an die IT-Fabrik. So sollten die bestellten IT-Services vollständig automatisiert implementiert werden. Beispielsweise werden benötigte IT-Ressourcen und Backup-Systeme automatisiert als virtuelle Server im Rechenzentrum aufgesetzt oder extern aus der Cloud bezogen. Die Betriebssysteme und die notwendige Middleware wie Datenbanken und Web-Applikations-Server werden installiert und die Anwendungen implementiert. Konfigurationsdateien werden automatisiert ausgelesen und die Applikation wird damit entsprechend angepasst. Da diese Vorgänge standardisiert und automatisiert ablaufen, passieren kaum Fehler und die Betriebsmitarbeiter können sich auf die Entwicklung neuer Services und Technologien konzentrieren.

 

  1. Das Management wird die IT-Fabrik lieben!

Dem CIO kommt die IT-Fabrik sehr gelegen: Denn er will vor allem die Prozesse der automatisierten IT-Fabrik jederzeit nachverfolgen können. Dazu wird jeder Prozessschritt in einem IT-Service-Management-System dokumentiert und Genehmigungen oder E-Mail Benachrichtigungen werden von dort ausgelöst. Die Integration mit Asset- und Vertrags-Management erlaubt dem CIO, die Kosten für die Nutzung der IT verursachergerecht zu verrechnen (sogenannter Chargeback) – und zwar nur für die tatsächliche Nutzungsdauer.

Alle Beteiligten haben andere Anforderungen und andere Vorstellungen. All dies ist aber in einer modernen, automatisierten IT-Fabrik möglich. Wie das im Detail funktioniert, schreiben wir in weiteren Beiträgen und auch auf www.materna.de/it-factory.

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