Frank PientkaDie digitale Welt

Die Browser- und Betriebssystemkriege sind vorüber

Um die Jahrtausendwende tobten noch heftige Auseinandersetzungen darüber, wer die größte Verbreitung bei Betriebssystemen und Browsern erreicht. Anfangs sah es so aus, als ob Microsoft auf nicht absehbare Zeit hier die Nase vorn hat. Anders als in der realen Welt, sind die dabei ausgelösten Kriege vorbei und die Open Source-Bewegung hat diese mit Linux und Firefox entschieden. Als Linus Torvalds bei der Gründung von Linux sein Ziel selbstironisch als die „Weltherrschaft“ ankündigte, wurde er noch belächelt. Im Gegensatz zum Desktop-Bereich konnte sich Linux im Server-Bereich sehr erfolgreich durchsetzen. Wer sich die aktuellen Zahlen neu verkaufter Geräte und ihre Marktverbreitung bei Gartner, IDC oder Bitkom anschaut, wird feststellen, dass Android-Geräte immer häufiger mit der Linux-Variante ausgestattet sind. Deutschland erweist sich nicht nur bei Android traditionell als Linux-Land mit einer höheren Marktverbreitung als in anderen Ländern.

Android profitiert als Führer im mobilen und „Embedded“-Markt von den dort immer noch steigenden Wachstumsraten. Andererseits fördern alle inzwischen im Alltag angekommenen, erfolgreichen IT-Trends der vergangenen Jahre, wie Internet, Virtualisierung, Cloud oder das Internet der Dinge, die Verbreitung von Linux. Die manchmal als Schwäche dargestellte Produkt- und Variantenvielfalt von Linux zeigt jedoch auch die Stärke von Linux: als Open Source-Software besitzt Linux eine enorme Anpassungsfähigkeit und damit breite Plattformunterstützung. Es ist jedoch nicht nur das Lizenzmodell, das das einzig Sinnvolle für das Cloud-Zeitalter ist, sondern auch das Entwicklungsmodell hinter Linux. Hier gibt es ein breites Ökosystem von Spezialisten, Unternehmen und Partnern, das dem von proprietären Monopolanbietern überlegen ist. Dieses wurde Mitte der 90er Jahre von Eric S. Raymond mit der Metapher „Die Kathedrale und der Basar“ zusammengefasst.

Die Art, wie eine Kathedrale gebaut wird, steht für eine Entwicklungsweise, die von Geheimhaltung, zentraler Kontrolle und Planung ausgeht. Das Basar-Prinzip hingegen ist von offener Kommunikation und selbstorganisierter Kollaboration geprägt. Dieses folgt wenigen, einfachen Regeln und erscheint Außenstehende oft chaotisch, funktioniert jedoch an vielen Orten in der Welt seit vielen Jahrtausenden erstaunlich erfolgreich. Wie wir wissen, ist das Zeitalter des Kathedralenbaus vorbei. Wenn überhaupt, sind dies heute keine Kirchen mehr sondern Wirtschafts- und Handelsgebäude. So wie heute unser Leben nicht mehr von Kirchen geprägt wird, sondern vom globalen Handel und Austausch von Waren, Menschen und Ideen, so ist es auch in der IT-Welt. Kriege und Verdrängungswettbewerbe wird es in der IT auch weiterhin geben. Nur hat sich die Richtung verlagert: weg von Hard- und Software hin zu Services. Hier spielt das Ökosystem, das um Produkte herum entsteht, eine größere Rolle als die einzelnen Produkte als solches. Es bleibt spannend und dient hoffentlich zum Guten.

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