Frank PientkaDie digitale Welt

Der Weg nach Xanadu – Träume können wahr werden

Über alle Zeiten und Orte hinweg haben Menschen Träume und Orte der Sehnsucht. Für die Griechen war das Elysion, die „Insel der Seligen“. Dorthin wurden die griechischen Helden entrückt, um dort von den Göttern die Unsterblichkeit zu erhalten. Friedrich Schiller ruft in seiner von Ludwig van Beethoven vertonten „Ode An die Freude“ den Bewohnern dieses Ortes die bekannte Textzeile „Freude, schöner Götterfunken, Tochter aus Elysium!“ zu.

Ein ähnlich besonderer Ort ist Xanadu. Den meisten ist Xanadu weniger aus der Mythologie, sondern von dem gleichnamigen 80er Disco-Pop-Song bekannt. Xanadu steht oft als Metapher für Prunk und Wohlstand. Der Name geht jedoch auf die fiktive Sommer-Residenzstadt Shangdu des mongolischen Kaisers von China Kublai Khans zurück, die der Dichter Samuel Coleridge beschrieben hat. Viele andere Künstler und Techniker haben sich von dieser Stadtvision inspirieren lassen.

Zwei bemerkenswerte Projekte aus dem IT-Bereich haben Xanadu als Inspirationsquelle gedient, von dessen Visionen und Ergebnissen wir noch heute profitieren. Xanadu war Namensgeber für das ambitionierte Hypertext-Projekt von Ted Nelson. Anfang 1960 wollte er damit eine universale Bibliothek mit zahllosen miteinander vernetzten Dokumenten aufbauen. Eines der Fernziele von Xanadu war es, die Welt vor globalen Katastrophen zu retten, die oft durch Unwissenheit, Dummheit oder Kommunikationsstörungen verursacht sind. Erst in den 90ern schaffte es Nelson, den ersten lauffähigen Code zu veröffentlichen. Letztendlich scheiterte Xanadu an seiner Komplexität. Seine 17 Regeln und die dahinter stehende Vision eines weltweiten dezentralen Hypermedia-Systems beeinflussten nicht nur Tim Berners-Lee bei der Entwicklung des World Wide Web, sondern auch Ward Cunningham bei seinem Wiki-Konzept.

Ein anderes Projekt ist das Privathaus von Microsoft Gründer Bill Gates. Dieses wurde mit allen möglichen elektronischen Steuerungs- und Multimedia-Systemen ausgerüstet. Es nahm damit bereits einiges vorweg, was wir heute unter Heimautomation und intelligenten Heimgeräten in Ansätzen erleben. Diese Vision ist nicht nur für Multimilliardäre wie Bill Gates möglich, der inzwischen die zweite Version seines Xanadu-Hauses verwirklicht hat.

Der Weg nach Xanadu sieht für jeden für uns anders aus. Nicht nur die IT oder Kunst brauchen solche Sehnsuchtsorte mit einer starken Vision. Damit können Träume für viele wahr werden, die lange Zeit noch Science-Fiction waren.

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