Frank PientkaInnovation und Technologie

Cloud-Zoologie

Viele Open-Source-Projekte verwenden gern Tiere als Maskottchen. Die Entwicklung der IT hat bei Bereitstellungen von Ressourcen und Diensten eine Evolution durchlaufen. 

Waren es zunächst große, abgeschirmte Rechenzentren, so stand in den 80er und 90er Jahren der persönliche Computer im Vordergrund. Erst die Wiederentdeckung und Weiterentwicklung der Virtualisierungs- und Abstraktionskonzepte von Betriebssystemen aus den 70ern, machte es um die Jahrtausendwende möglich, Software unabhängig von dem Gastbetriebssystem zur Verfügung zu stellen. Um mit den durch das Internet gewachsenen Anforderungen mitzuhalten, stieg der Bedarf an Speicher- und Netzwerkressourcen immer weiter an. Deshalb wurden diese unabhängig von der realen Hardware virtualisiert. Hier entstanden verschiedene as-a-Service-Angebote. Angefangen mit der Infrastructure as a Service (IaaS), Software as a Service (SaaS) und der späteren Platform as a Service (PaaS). Da die Grenzen zwischen diesen Ansätzen manchmal künstlich waren, verschwimmen dies immer mehr. Scherzhaft spricht man hier auch von Anything as a Service, kurz XaaS.

Letztendlich ist das XaaS-Konzept nichts Neues. So gibt es auch bei der Pizza-Herstellung verschiedene Modelle.

Cloud Zoologie

Wenn man alle Zutaten, Werkzeuge und Wissen zur Verfügung hat, kann man eine Pizza auch zu Hause herstellen. Das wäre das frühere eigene Rechenzentrum gewesen. IaaS wäre das Tiefkühl-Pizza-Konzept, bei dem man bei Bedarf die Pizza aus dem Kühlschrank holt und in den Ofen schiebt. Etwas weiter geht das Pizza-Taxi-Konzept, das als PaaS beim Nutzer schon keinen Ofen und manchmal auch kein Besteck oder Teller benötigt. Das Komfortpaket ist Software as a Service (SaaS). Um schnell und einfach diese Dienstleistung zu nutzen, bestellt man am besten schon vor dem Gang zum Pizza-Restaurant.

Dieses XaaS-Konzept findet sich als technische Basis auch bei den privaten, öffentlichen oder hybriden Cloud-Varianten wieder.

Je nachdem wie viel Kontrolle man abgeben möchte und wie tief die bezogene Serviceleistung ist oder welches Bezahlmodell – On-Premise vs. On-Demand – man wünscht.

Bei vielen Diensten unseres Alltags, wie z. B. Strom, Wasser oder Kommunikationsdienste, haben wir uns bereits an ein verbrauchsabhängiges Bezahlmodell gewöhnt. Nur die IT scheint hier besonders konservativ zu sein. Das hängt sicher damit zusammen, dass es auch hier oft menschelt. So haben Administratoren ihren Servern liebevolle Namen aus der griechischen oder germanischen Mythologie gegeben. Rechner heißen nicht einfach technisch nüchtern R2-D2 oder C-3PO sondern Idefix oder Yggdrasil. Das erinnert eher an die Beziehung zu Haustieren als an IT-Fabriken.

Randy Bias von der Firma Cloudscaling hat hier eine schöne Metapher geprägt. Wenn wir unsere Rechnerressourcen als Haustiere und nicht als Nutztier betrachten, wird es schwierig, Cloud Computing einzuführen und zu verwenden. Denn vergleichbar zu einem großen Landwirt, der seine Tiere eher als Nutztiere und weniger als Haustiere behandelt, muss auch der IT-Service eher virtuell und losgelöst von der konkreten Ressource angesehen werden. Der Landwirt kennt zwar dann sein Tier nicht mehr beim Namen. Er sorgt jedoch dafür, dass immer genügend Ressourcen zur Verfügung stehen, um auf Schwankungen oder Ausfälle reagieren zu können. Damit bekommt elastisches Cloud Farming eine ganz neue Bedeutung. Wann steigen Sie um?

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