Eileen HildebrandInnovation und Technologie

BPMN – Ich bin doch nur ein Gateway

Kommt Mark die Marke zu einem XOR-Gateway (exklusives Oder) und fragt: „Hey XOR, ich hab hier eine Bestellung von 500 Euro. Wo soll ich jetzt lang laufen?“
Fragt das Gateway zurück: „Bist du ein Goldkunde?“
„Hm“ antwortet Mark, „Was ist ein Goldkunde?“
„Keine Ahnung, weiß ich auch nicht! Was machen wir jetzt?“ fragt das ratlose Gateway.
Ja, was machen wir jetzt?

XOR- und Oder-Gateways sind in der BPMN so genannte Daten-basierte Gateways. Das bedeutet, dass sie Sequenzflüsse aufgrund von Werten aktivieren, die sie aus den Instanzdaten des Prozesses auslesen. Dabei liegt die Betonung auf dem einfachen Lesen. Ein Gateway kann keine Berechnungen oder Regeln ausführen. Feste Werte bei der Modellierung als Bedingung auf den Sequenzfluss zu schreiben, ist hinsichtlich der Änderbarkeit keine gute Idee. Denn was genau einen Kunden zum Goldkunden macht, kann sich mit der Zeit mehrmals ändern.

Die Best Practice an dieser Stelle ist, eine Regel zu erstellen, die die unterschiedlichen Kundenstatus identifiziert. Das Ergebnis wird dann in die Instanzdaten zurückgegeben. Eine solche Regel wird im Modell über eine Geschäftsregelaktivität modelliert. Damit die Marke Mark aus unserem Beispiel dem Gateway sagen kann, ob die Bestellung von einem Goldkunden kommt oder nicht, muss diese Geschäftsregelaktivität im Sequenzfluss vor dem Gateway stehen. Ob nun direkt davor oder irgendwann davor – z. B. in einem anderen Teilprozess – ist an der Stelle nicht relevant. Es muss lediglich sichergestellt werden, dass die Daten, die das Gateway braucht, zu dem Zeitpunkt, wenn die Marke am Gateway steht, auch verfügbar sind.

Diese und ähnliche Modellierungslücken tun sich immer wieder auf, da sie implizites Wissen in explizites Wissen überführen. Dies ist auch ein Zweck der BPMN: Durch semantisch eindeutige Modelle gemeinsam das gleiche zu verstehen, indem man Dokumentationslücken schließt und Unklarheiten beseitigt.

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