Norbert SchuldtDie digitale Welt

Arbeiten 4.0 – das nächste Major Release im Büro

Versionsnummern finden sich mittlerweile nicht nur auf Software wieder sondern auch in Dingen des täglichen Lebens. Was es damit auf sich hat und warum sich unsere Arbeitswelt immer mehr verändert, erfahren Sie in unserem Blog-Beitrag.

Der im Rahmen der Hightech-Strategie der Bundesregierung entwickelte Begriff „Industrie 4.0“ wurde erstmals im Jahr 2011 auf der Hannover Messe präsentiert. Er beschreibt den immer stärkeren Einzug von digitalen oder digitalisierten Arbeitsprozessen in der Industrie. Da diese Form der Digitalisierung auch andere Bereiche der täglichen Arbeit erfasst, wurde daraus schnell der Begriff „Arbeit 4.0“ abgeleitet. Neue Arbeitsformen wie Crowd- oder Clickworking entstehen. Sie stellen Unternehmen wie Mitarbeiter vor neue Herausforderungen.

Die Veränderungen sind so weitreichend, dass sich sogar das Bundesministerium für Arbeit und Soziales damit auseinandersetzt. Im April 2015 startete das Ministerium den Dialog „Arbeiten 4.0“ auf einer eigenen Internet-Plattform. Im ganzen Land diskutieren Experten darüber, wie sich unsere Arbeitswelt in den nächsten Jahren verändern wird. Regisseur Steven Spielberg stellt sich in seinem Film Minority Report mit Tom Cruise vor, dass wir künftig per Gestik und Sprache mit unseren Arbeitsplätzen interagieren werden. Aber auch das ist nur ein Blick in die Glaskugel.

Entscheidend ist, dass Unternehmen bereits heute kurz- bis mittelfristige prozessuale Veränderungen berücksichtigen müssen. So genannte lebensphasenorientierte Arbeitsmodelle, die die Vereinbarkeit von beruflichen und privaten bzw. familiären Interessen immer stärker in den Vordergrund stellen, werden an Bedeutung gewinnen. Während in den vergangenen zehn Jahren eine starre Arbeitszeit an Bedeutung verloren hat, wird in den kommenden zehn Jahren der feste Arbeitsort zunehmend an Bedeutung verlieren.

Social Media und Cloud Computing als Schlüsseldisziplinen

Um diesen Entwicklungen Rechnung zu tragen, müssen die Unternehmen technische und prozessuale Grundlagen schaffen. Zwei wichtige Schlüsseldisziplinen hierfür sind Social Media und Cloud Computing. Um parallel zu den Cloud-Services die Vernetzung im Unternehmen und damit die Innovationskultur durch Teilen von Wissen zu fördern, eignet sich die Einführung einer Social Collaboration-Plattform oder der Ausbau des Intranet zu einem Social Collaboration Intranet.

Hierüber können sich Kollegen schneller über relevanten Inhalte austauschen. Funktionen wie „Enterprise Search“ sorgen dafür, dass relevante Informationen einfacher auffindbar sind. Dies unterstützt auch klassische Disziplinen wie Wissens-Management. Mit wenigen Klicks zum Ziel sollte die Prämisse für solche Lösungen sein. Damit wandelt sich das Intranet von der Informationsdrehscheibe zum Produktivitätswerkzeug.

Werden wir alle zu Clickworkern oder Crowdworkern?

Aber auch die Art und Weise, wie Unternehmen Aufgaben erledigen lassen, wird sich verändern. Die zunehmende Vernetzung von Wissensarbeitern macht es möglich, bestimmte Aufgaben auch außerhalb des Unternehmens zu erledigen.

Hier lässt sich der ursprünglich von der NASA geprägte Begriff „Clickworker“ anwenden: Er beschreibt, dass Aufgaben durch eine (große) Gruppe von Mitwirkenden erledigt werden, die vertraglich nicht langfristig mit dem Auftraggeber verbunden sind. Hieraus hat sich der Begriff des Crowdworking abgeleitet. Dieses Vorgehen lässt sich beispielsweise anwenden, um Daten abzugleichen, Adressen herauszufinden, Bilder zu sortieren, Software zu testen oder kürzere Texte zu verfassen.

Unternehmen nutzen Crowdworking-Plattformen auch zunehmend dafür, um außerhalb der eigenen Organisation gute und preisgünstige Fachkräfte als externe Experten wie zum Beispiel Designer, Texter oder Programmierer zu beauftragen. Gewerkschaften kritisieren schon jetzt dieses Konzept, da bei weiterer Dynamisierung und Globalisierung des Arbeitsmarktes wichtige Schutzrechte unter die Räder zu kommen drohen.

Change-Management funktioniert nur Top-Down

Arbeiten 4.0 ist vor allem ein Veränderungsprozess, der in den Köpfen der Mitarbeiter stattfindet. Die Digitalisierung hat hierbei vor allem die Geschwindigkeit deutlich erhöht, mit der die Veränderungen vonstattengehen.

Sie führt zu geänderten Arbeitsweisen und somit in der Regel zu einem kulturellen Wandel in den Unternehmen. Um diesen Wandel erfolgreich zu vollziehen, müssen Mitarbeiter verstehen, warum die Veränderung kommt, und wie sie davon partizipieren können.

Es ist also erfolgsentscheidend, die Mitarbeiter „mit auf die Reise“ zu nehmen. Dafür braucht das Management einer Kultur des aktiven Anwendens der neuen Technologien und Prozesse. Aufgrund der weitreichenden Veränderungen, die solche Projekte mit sich bringen, ist die Digitale Transformation ein von der obersten Führungsebene geplanter und gesteuerter Prozess, der eine klare Roadmap erfordert. Interessantes dazu schreibt auch Prof. Dr. Andrea Back vom Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität St. Gallen in ihrem Blog.

Erst wenn die Unternehmensführung aktiv hinter der digitalen Transformation steht, kann der Veränderungsprozess das gesamte Unternehmen erfolgreich durchdringen.

 

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