Frank PientkaInnovation und Technologie

Appokalypse now – das Ende der Apps und deren Zukunft

Fast zehn Jahre nach dem Erscheinen des ersten iPhones und der Eröffnung des ersten App-Stores ist die Goldgräberstimmung vorbei.

Nur eine Handvoll Gerätehersteller und App-Firmen können noch genug Geld verdienen. Viel Geld verlieren geht, wie das Rückrufdesaster um das Samsung Galaxy Note 7 zeigt, oft sogar noch schneller. Ehemalige Marktführer wie Nokia, Ericsson oder Blackberry sind sicher die prominentesten Opfer in der mobilen Geschichte. Bei den hohen Investitionskosten und den oft geringen Margen ist der Wettbewerb oft nur noch für wenige Hersteller möglich. Letztlich ist der Markt auch reifer geworden und die Innovationen haben abgenommen.

Hersteller suchen Käufer

Für die Hersteller wird es immer schwieriger, für ihre neuen Geräte Käufer zu finden, da sie dafür nur wenige rationale Gründe zum Wechsel bieten. Ähnlich sieht es bei Software aus. Wurden schon immer mehr Apps heruntergeladen als genutzt, so schränkt sich die regelmäßige Nutzung und Aktualisierung auf eine Handvoll ein. Die meisten dieser Hauptanwendungen sind meist zudem kostenlos, da die Nutzer dafür mit ihren Daten oder Zusatzdienstleistungen wie z. B. bei Spielen zahlen. Trotz wachsender App-Anzahl wird immer weniger Geld mit dem reinen Verkauf verdient, sondern vielmehr mit den Dienstleistungen darum herum. Das gilt für Apple- und Android-Kunden gleichermaßen, wenngleich Apple-Kunden immer noch eher bereit sind, mehr Geld auszugeben und ihre teuren Geräte auch öfters zu nutzen.

Eine interessante Variante der mobilen App-Entwicklung sind App-Baukästen. Diese bieten die Möglichkeit, auch ohne Programmierkenntnisse seine eigene App zu erstellen. Ähnlich wie die erfolgreichen Homepage-Baukästen bieten sie gerade Kleinunternehmern oder dem Mittelstand eine kostengünstige Möglichkeit, ihre Dienste und Informationen mobil anzubieten. Viele Firmen verzichten inzwischen ganz auf eine eigene Webseite und bieten vor allem Kundendienste lieber mobil an oder führen den Kundendialog über soziale Medien.

Solche mobilen App-Baukästen bieten sowohl eine moderne HTML5-App als auch eine nach den gleichen Prinzipien generierte und für die mobile Nutzung optimierte Webseite. Da die Anbieter solcher App-Baukästen auch die Verwaltungsoberflächen für die Inhalte, News und Bilder und sogar eine Chat-Software für den direkten Kundendialog anbieten, braucht man wenig zusätzliche Technik oder Kenntnisse. Hier bekommt man eine App und eine Webseite für einen monatlichen Festbetrag. Dies macht solche Projekte auch für Kunden kalkulierbar, die bisher den Aufwand gescheut haben. Hier entstehen neue Chancen für innovative Zusatzdienste.

Die mobile Gefahr

Die Nutzungsfrequenz der Top 10 Apps nimmt erfreulicherweise immer noch zu und übertrifft inzwischen die Nutzungsdauer der Top-Webseiten. Webseiten, die noch nicht einmal responsive sind, werden kaum oder nur von älteren Nutzern aufgesucht.

Inzwischen haben wir uns auch auf mobilen Geräten daran gewöhnt, dass auch diese durch ihre weite Verbreitung immer wieder durch neue Sicherheitslücken auffallen, die vermehrt auch von Kriminellen ausgenutzt werden. Trotz der etwas verlängerten Update-Zyklen für die Betriebssysteme aktualisiert eine Vielzahl der Nutzer ihre Geräte oder Apps genau einmal und nach der Installation nie mehr wieder.

Die hier entstehenden Sicherheitslücken werden immer größer und gefährlicher. Besonders da dort immer mehr sensible und kritische Daten landen.

Die App-okalypse

Es ist noch zu früh für die „apokalyptische These“: Das Ende der Apps (und das des WWW) ist nahe.

Doch lohnt sich für viele Unternehmen der Doppelaufwand für eine Webseite und App nicht mehr. Vor allem, wenn man auch noch Auswertungen über den Erfolg von beiden haben möchte. Außerdem haben Apps auch von anderen kleinen smarten Geräten, wie den Amazon Dash Button oder der Alexa-Sprachbox, weitere Konkurrenz bekommen. Oft ist die Sprachoberfläche oder die Bedienung über einen einfachen Knopf für manche der bequemere und barrierefreie Weg. Hinzu kommen immer mehr Anwendungen, die mit künstlicher Intelligenz versehen werden und den Menschen wichtige Aufgaben als eine Art persönlicher Butler abnehmen. Bots sortieren und organisieren Informationen oder lösen regelmäßige Aktionen für uns aus. Auch im Hintergrund der Spracherkennungssysteme, wie Google Allo, Apple Siri oder Microsoft Cortana, werden Verfahren der künstlichen Intelligenz angewendet. Nicht umsonst hat der Microsoft CEO Satya Nadella persönlich das Ende der Apps und die Zukunft der Bots ausgerufen.

Wie so oft wird es sicher ein Nebeneinander von verschiedenen Ansätzen geben. Doch ist abzusehen, dass Apps und Smartphones nur eine Spielart der schönen neuen und mobilen Welt sind. Hier warten neben smarten Lautsprechern noch viele smarte Geräte, vor allem im Home-Bereich. Eine gute Cloud-Infrastruktur und API-Strategie sind hier gefordert. Gerade hier scheint die Achillesferse von Apple zu sein, die für diesen Bereich nur wenig Eigenes anzubieten haben, sondern sicher traditionell eher auf den Nutzer und sein Erlebnis konzentrieren. Der Kampf um den Kontakt zu den persönlichen Daten zu jeder Zeit und jeden Ort geht weiter.

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