Christine WirthDie digitale Welt

Analysen von Gartner zeigen Arbeitsplatz des 24-Stunden-Users

Das IT-Marktforschungsunternehmen Gartner zeigt in aktuellen Analysen den digitalen Arbeitsplatz der Zukunft. Der 24-Stunden-User ist bereit, seine Arbeit mithilfe aktueller Technologien stetig zu optimieren, stellt aber auch neue und andere Anforderungen an seine Arbeitsumgebung und erwartet eine strategische, umfassend angelegte Systemtechnologie.

Zwei Drittel aller Menschen nutzen bereits heute im privaten Umfeld mindestens vier elektronische Geräte – und das täglich. Die Zahl intelligenter, vernetzter Geräte als Bausteine des Internets der Dinge wird in den nächsten Jahren noch weiter ansteigen. Die Industrieanalysten von Gartner gehen davon aus, dass bis Ende 2016 weltweit 6,4 Billionen vernetzte Geräte verfügbar sein werden, im Jahr 2020 steigt diese Zahl sogar um 225 Prozent, auf 20,8 Billionen. Bis dahin sollen dann die Grenzen zwischen Consumer- und Unternehmenstechnologie so stark verschwimmen, dass es für den Anwender keine Rolle mehr spielt, auf welchem Betriebssystem und in welchem technischen Umfeld er sich bewegt.

Der 24-Stunden-User

Stellen wir beide Trends in einen Zusammenhang, ergibt sich daraus das Bild des 24-Stunden-Users. Für die jungen Generationen, aufgewachsen mit Computer und Smartphone, ist es jetzt schon selbstverständlich, rund um die Uhr online zu sein. Wenn in den nächsten Jahren nun ständig neue, vernetzte und für den Verbraucher bezahlbare Techniken hinzukommen, wird der 24-Stunden-User Teil einer hoch vernetzten Welt, in der Menschen, Unternehmen und Geräte kontinuierlich miteinander kommunizieren, Transaktionen durchführen und miteinander verhandeln. Die Grenzen der heute noch unterschiedlichen Rollen des Hausbesitzers, Büroangestellten, Kunden und Familienmitgliedes werden verschwimmen. Damit verändern sich auch die Anforderungen an die Arbeitsumgebung des 24-Stunden-Users. Für die strategische Planung der IT stellen die Gartner-Analysten vor allem drei Trends in den Fokus der nächsten Jahre:

Trend 1: Der 24-Stunden-User braucht Flexibilität

Wenn die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit unwiderruflich verwischen, erwarten Arbeitskräfte ab der Generation der „Millenials“, dass sie Technologien problemlos in allen Rollen gleichermaßen nutzen können – im privaten sowie im beruflichen Umfeld. Laut Untersuchungen von Gartner werden künftige Technologien den Schwerpunkt dementsprechend nicht mehr auf punktuelle Anwendungsszenarien legen, sondern allein den 24-Stunden-User und seine Bedürfnisse im Blick haben. Unternehmen sollten dies schon heute bei der Wahl ihrer IT-Lösungen und der Ausgestaltung der Arbeitsumgebung berücksichtigen.

Trend 2: Für den 24-Stunden-User ist die technische Umgebung irrelevant

Schon die heutigen Technologien erlauben uns, von beinahe überall auf unsere Arbeitsmaterialien zuzugreifen.

Das Massachusetts Institute of Technology (MIT) hat dazu sogar ein wegweisendes Arbeitszeiten-Modell entwickelt, seine Mitarbeiter glücklicher und gleichzeitig produktiver zu machen – ohne einen Dollar dafür auszugeben. Ihre Arbeitszeit können die Mitarbeiter völlig frei und nach eigenen Wünschen gestalten. Wo und wann gearbeitet wird, entscheidet jeder Mitarbeiter selbst. Allein die Empfehlung eines gemeinsamen Tages im Büro wurde den Mitarbeitern an die Hand gegeben. Nach einer sechsmonatigen Testphase überzeugt das Ergebnis der Methode laut des durchführenden Dekans Peter Hirst auf allen Ebenen: Zum einen sank das Stresslevel der Mitarbeiter erheblich. Die Zeit, die zuvor für aufwendiges Pendeln zwischen Heimat und Arbeitsort verloren ging, konnte dank der flexiblen Regelungen produktiv genutzt werden.

Dementsprechend stieg zum anderen die Produktivität der Mitarbeiter. Diverse Studien zeigten diesbezüglich schon vor dem Experiment, dass flexible Arbeitszeiten (bezüglich Ort und Zeit) Mitarbeiter tatsächlich dazu motivieren, mehr zu arbeiten statt weniger. Eine Studie aus dem Jahr 2014 zeigt sogar, dass ein Drittel der Unternehmen, die ihren Mitarbeitern flexible Arbeitszeiten ermöglichen, mit weniger Krankmeldungen und Fehlzeiten zu kämpfen hatten als die Unternehmen ohne flexible Regelungen.

Der dritte und laut Hirst überraschendste Effekt der neuen Maßnahmen am MIT ist jedoch folgender: Das Vertrauen der Mitarbeiter in ihren Arbeitgeber stieg während des Experiments stark an. „Man vergisst leicht, dass das traditionelle Verständnis von Arbeitszeit, also etwa feste Bürozeiten, oft mangelndes Vertrauen in die Fähigkeit der Mitarbeiter, ihren Job zu erledigen, suggeriert“, sagt Hirst. Die neuen Maßnahmen vermittelten den Mitarbeitern dagegen offenbar folgendes Signal: Mir wird vertraut und man hat nicht das Gefühl, mich kontrollieren zu müssen. Knapp zwei Drittel der MIT-Mitarbeiter, die an dem neuen Arbeitszeit-Modell teilnahmen, berichteten von mehr Vertrauen und Respekt.

Dieses flexible und zukunftsweisende Arbeitszeit-Modell verlangt nach Technologien, die den Menschen einen problemlosen Wechsel zwischen Arbeits- und Privatleben erlauben. Aber auch die Zunahme von kurzfristigen Arbeitsplatzwechseln und die steigende Anzahl von Freiberuflern stellen gleichermaßen neue Anforderungen an die Technologien: Interoperabilität wird zum zentralen Erfordernis. So geht es zukünftig nicht mehr nur um die Technologie, die am Arbeitsplatz genutzt wird, sondern um alle Rollen, in denen der Mensch eine Technologie nutzt. Das Betriebssystem und die technische Umgebung werden daher bis zum Jahr 2020 keine Rolle mehr für den User spielen, meinen die Gartner-Analysten.

Trend 3: Der 24-Stunden-User erreicht mehr in kürzerer Zeit

Selbstfahrende Autos, Virtual Personal Assistants und smarte Service-Roboter – darin sind die ersten smarten Maschinen bereits heute verbaut. Die Weiterentwicklung und Verschmelzung der heutigen Maschinen lässt laut Gartner vermuten, dass Mitarbeiter in Zukunft komplexe Aufgaben anders angehen als bisher: Künstliche Intelligenz ermöglicht eine Zunahme der Automatisierung von komplexen Aufgaben, intelligente Maschinen steigern die kognitive und physische Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter.

Prognosen der Gartner-Studie zeigen, dass bis zum Jahr 2018 jedes zweite der weltweit am stärksten wachsenden Unternehmen weniger Mitarbeiter als smarte Geräte im Einsatz haben wird. Gleichzeitig werden eine halbe Milliarde User jeden Tag zwei Stunden Zeit sparen – allein durch den Einsatz künstlicher Intelligenz. Die Unternehmens-IT sollte sich schon jetzt auf diese Entwicklungen einstellen und hybride Ökosysteme, in denen Menschen und smarte Maschinen problemlos zusammenarbeiten, unterstützen.

Handlungsempfehlungen für die Unternehmens-IT

Was bedeuten diese Trends nun? Die neue Beziehung zwischen Mitarbeiter und der IT erfordert einen neuen Fokus: Technologieinvestitionen müssen in einem größeren Zusammenhang gesehen werden. Erst das Gesamtbild zeigt, wie Technologien den Arbeitsalltag der Mitarbeiter beeinflussen. Hierzu gibt Gartner den IT-Verantwortlichen drei Empfehlungen für künftige Digital-Workplace-Programme an die Hand:

  • Smart-Agent-Technologien können die Produktivität der Mitarbeiter fördern und Kundenbeziehungen verbessern. Inwiefern das im einzelnen Unternehmen und der vorhandenen IT-Struktur möglich ist, sollte individuell evaluiert werden.
  • Ein offener Dialog zwischen Mitarbeitern und der IT verbessert das gegenseitige Verständnis. Verhaltensbeobachtungen, Umfragen, Labs, Fokusgruppen sowie die Arbeit mit Personas können der IT helfen, besser zu verstehen, wie sich die Bedürfnisse der User verändern.
  • Letztendlich sollten IT-Verantwortliche auch die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter nicht aus den Augen verlieren. Der ständige Fortschritt neuer Technologien erfordert den Erwerb digitaler Kompetenzen und die Förderung und Weiterentwicklung der digitalen Fähigkeiten der Mitarbeiter.

Sie interessieren sich für die Gartner-Studie über den Arbeitsplatz des 24-Stunden-User? Dann erhalten Sie weitere Informationen zur Studie in einem Artikel der Computerwoche.

Sie finden das neue Arbeitszeit-Modell des MIT interessant? Nähere Informationen dazu finden Sie in einem Artikel der EDITION F.

Sie suchen aktuelle Lösungen zur Digitalisierung Ihres Unternehmens? Dann helfen wir Ihnen gern. Mehr Informationen zum Materna-Leistungsportfolio zur Digitalisierung der Arbeitswelt finden Sie hier: www.materna.de/digitalisierung-der-arbeitswelt.

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